• David Fray und die Academy of St. Martin in the Fields: Gebückt, verloren und verrannt

David Fray und die Academy of St. Martin in the Fields : Gebückt, verloren und verrannt

Der Pianist David Fray und die Axademy of St. Martin in the Fields spielen zwei von Bachs Klavierkonzerten im Konzerthaus.

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David Fray bei der Echo-Preiverleihung.
David Fray bei der Echo-Preiverleihung.Foto: dpa

Es ist banal, und doch überrumpelt es einen stets aufs Neue: Live ist einfach nicht dasselbe wie Studio. Hochgelobt wird der französische Pianist David Fray für seine Aufnahmen, den Preis der Deutschen Schallplattenkritik hat er erhalten und den Echo, unter anderem. Was man dann aber aber im Konzerthaus sieht, ist ein junger, hochgewachsener Mann, der sich, sobald er sitzt, sogleich in eine entsetzlich ungesund aussehende Glöckner-von-Notre-Dame-Haltung begibt und mit den Augen tief an den Tasten klebt, als wolle er in sie hineinkriechen.

Ein Liszt-Zitat? Kann mal jemand dem Jungen ein Brett in den Anzug nähen, damit er gerade sitzt? Sieht jedenfalls ziemlich nerdig aus. Was ja nicht so schlimm wäre, wenn es nicht auch so klänge. Fray verliert sich total in seiner Welt, verwischt die Töne in den beiden Klavierkonzerten d-Moll und A-Dur von Bach bis zur Unkenntlichkeit, sein Spiel wirkt emotionslos, undifferenziert, mit festgefrorener Dynamik, es ist exklusiv, territoriumsabgrenzend. Dass hier auch noch ein Publikum sitzt, dem etwas vermittelt werden soll, scheint ihn nicht zu interessieren. Laut Programmheft hat er auch die Leitung des Abends inne, die Streicher der Academy of St. Martin in the Fields müssen aber selbst sehen, wo sie bleiben: Der Pianist dirigiert, jedenfalls im ersten Konzert, so gut wie gar nicht. So dass dem leider ungenannt bleibenden tapferen Konzertmeister die wichtigste Rolle des Abends zufällt. Er tut, was er kann, aber dass hier ein Ensemble und ein Solist gemeinsam konzertieren würden, kann man nicht behaupten.

Ein Leitungsproblem hat der Abend schon von Beginn an: 21 Musiker sind zu viele, um das ohne Dirigent über die Bühne zu kriegen. In Josef Suks Serenade für Streichorchester zeigen die Londoner, dass sie sich böhmischer Lebensfreude und Melancholie durchaus anschmiegen können, dass sie überhaupt einen betörend schönen Streicherklang besitzen. Aber die Einsätze – eben weil ein Dirigent fehlt, der wichtige Impulse geben könnte – kommen arg voreinstudiert, was umso schwerer wiegt, als das Stück sowieso recht schematisch komponiert ist. In der abschließenden zweiten Streicherserenade, der von Suks Lehrer Antonín Dvorák, mildert sich das etwas ab, wohl auch, weil dem Konzertmeister nach Frays Auftritt klar geworden ist, dass der Abend führungslos dahindriftet. So entschädigt das Finale für manches, aber nicht für alles.



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