Kultur : DDR-Comics: Achtung: Klassenfeind!

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Spione sehen meistens verdächtig aus: Sie tragen Schiebermützen, sind unrasiert und verstecken ihre Funkgeräte im Wald. Das war auch in der DDR nicht anders, aber dort gab es "Atze", den Helden der gleichnamigen Comic-Reihe. Atze, ein pfiffiger Berliner Junge, wusste, was zu tun war, wenn ihm ein Spion auffiel: sofort die Volkspolizei verständigen. Die "Atze"-Hefte erschienen seit 1955, im gleichen Jahr erblickten auch die "Digedags" der "Mosaik"-Bände das Licht der Welt. Ihr Erziehungsauftrag: die "Herausbildung allseitig und harmonisch entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten". Ludwig Renn hatte 1954 seine Schriftstellerkollegen aufgefordert, durch "Herstellung äußerlich ähnlicher Erzeugnisse, die ich Bildergeschichten nennen will", einen effektiveren Kampf gegen die "sogenannten Comics" zu führen. Gegen den Besitz von "Schund- und Schmutzerzeugnissen" aus dem imperialistischen Westen wurde dagegen um so härter vorgegangen. Die Geschichte des DDR-Comics ist eine Geschichte der Instrumentalisierung, wie die Ausstellung "Keiner zu klein, Kämpfer zu sein" im Saalbau Neukölln zeigt. Allerdings hatten die SED-Oberen Schwierigkeiten, ein dermaßen ideologisch belastetes Medium durchzusetzen. Statt zu den stark politisierten "Neuen Bilderheften für Jungen und Mädchen" griffen die DDR-Kinder nämlich viel lieber zu den unpolitischen "Mosaik"-Abenteuern der "Digedags".

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