DDR-Museum : "Keine museale Ostalgieshow"

Ein neues Museum in Berlin zeigt ab Samstag DDR-Alltagskultur. Dazu zählen Walter Ulbrichts Filmprojektor aus dem Staatsratsgebäude, Abhörtechnik der Staatssicherheit und ein DDR-Plattenbauwohnzimmer.

Berlin - Das in Nachbarschaft zum Berliner Dom und zur Museumsinsel liegende Haus widmet sich dem Alltag im Osten Deutschlands, will aber "keine museale Ostalgieshow" sein, wie der wissenschaftliche Leiter, Stefan Wolle, am Freitag in Berlin sagte. Museumsdirektor Robert Rückel sagte, es gebe bislang in der Hauptstadt zwar Museen, die sich mit der Mauer und der Stasi befassten, aber nicht mit dem damaligen Alltag.

Aufgebaut ist das Museum wie eine kleine Plattenbausiedlung. Die 400 Quadratmeter große Schau ist in 17 Themenbereiche eingeteilt. Dazu gehören Grenze, Einkauf, Produkte, Wohnen, Mode, Kultur, Freizeit und Urlaub. Die rund 10.000 Exponate, die indes nicht alle in der Dauerausstellung zu sehen sind, spendeten rund 500 Bürger. Dazu zählen auch eine Erika-Schreibmaschine, eine Karat-Schrankwand, Tagebücher, FDJ-Hemden und Verhütungsmittel.

Wolle betonte, die Museumsmacher hätten "eine klare Perspektive auf die DDR als politische Diktatur". Beim Blick auf die Ausstellung empfinde er eine Mischung aus "trauriger Anrührung" und "Brechreiz". Das Museum sei kein Spaßmuseum, der Spaß solle aber "nicht zu kurz kommen". So gibt es eine Geruchsmaschine, die Erinnerungen an den Geruch der Desinfektionsmittel in Schulen weckt.

Die Idee für das Museum hatte der Freiburger Geschäftsführer Peter Kenzelmann, der bei einem Berlin-Besuch selbst nach einer Ausstellung zum DDR-Alltag gesucht hatte und "nach Amsterdam" geschickt wurde. Das Projekt, für das den Angaben zufolge rund 600.000 Euro investiert wurden, ist rein privat finanziert. Kenzelmann erwartet künftig 240 bis 280 Besucher pro Tag.

DDR-Museen gibt es bereits in verschiedenen deutschen Städten, zum Beispiel im sächsischen Pirna, in Pforzheim in Baden-Württemberg, in Malchow in Mecklenburg-Vorpommern und im thüringischen Apolda. In Eisenhüttenstadt gibt es das 1993 gegründete Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

Das Berliner DDR-Museum ist montags bis sonntags von 10.00 bis 20.00 Uhr und samstags von 10.00 bis 22.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei. (tso/ddp)

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