Kultur : De-Phazz

Diese Woche auf Platz 54 mit: „Natural Fake“

Ralph Geisenhanslüke

Volkstümliche Musik ist heute eher tümelnd als dass sie tatsächlich aus dem Volke käme. Man braucht nur einen dieser Mutantenstadl anzusehen: Egal ob Nordseeküste oder Alpenglühn – überall die gleiche Fachwerk- und Scheunengemütlichkeit, das gleiche Identitätssurrogat. Wie müsste eine Musik klingen, die auf der Höhe des Jahres 2005 spielte? Bleiben wir der Einfachheit halber beim gleichen Buchstaben und hören statt De Randfichten mal De-Phazz. Die kommen zwar out of Heidelberg, aber ihre Klang- Tracht hat internationalen Zuschnitt. Ja, sie klingt als wolle Pit Baumgartner, ihr Sound-Bastler, demonstrieren, was Popmusik im Zeitalter der Globalisierung alles kann. Sie fließt nicht nur in Datenströmen um die Welt, sie lädt sich dabei auch mit immer neuen Stilen, Aromen, Sounds auf. Unter der gefälligen Oberfläche von „Natural Fake“ verstecken sich lustvolle kleine Widerhaken. Bei De- Phazz fliegen Jazz, Elektronik, Blues- Harps, Twang-Gitarren, Soul, Chanson, Dub und Easy Listening so durcheinander, wie sie es in unseren Plattensammlungen schon lange tun. Angesichts der üppigen Farben dieser Computer-Hybriden, kann man nicht mehr sagen, was echt ist und was ironisches Zitat, was handgespielt und was reingesamplet. Muss man auch nicht. In dieser hemmungslosen Künstlichkeit liegt der Reiz. Vielleicht klingt so der Ethno-Sound des MP3-Zeitalters, Fraunhofer-Folklore sozusagen. Was andere Leute in ihrem iPod haben, das haben De-Phazz jedenfalls im kleinen Finger.

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