Debatte im bayrischen Landtag : Der Fall Gurlitt wird zur Riesenblamage

Der Fund des spektakulären Schwabinger Kunstschatzes von Cornelius Gurlitt hat eine Debatte im bayrischen Landtag ausgelöst. Justizminister Winfried Bausback gestand schwere Versäumnisse ein.

von
Im bayrischen Landtag ist von einer „Riesenblamage für Bayern und Deutschland“ die Rede. Foto: AFP
Im bayrischen Landtag ist von einer „Riesenblamage für Bayern und Deutschland“ die Rede.Foto: AFP

Jetzt hat sich auch der bayerische Landtag mit dem Schwabinger Kunstschatz befasst. Justizminister Winfried Bausback (CSU) gestand im Kunstausschuss schwere Versäumnisse seines Hauses ein. Weder seine Vorgängerin Beate Merk noch das Kunstministerium waren über den Gurlitt-Fund mit etlichen möglicherweise von den Nazis enteigneten Werken informiert worden. Merks persönlicher Referent hatte Kenntnis davon, leitete sie aber nicht weiter. Bausback räumte auch ein, „dass die Provenienzrecherche zu lange gedauert hat“.

Bereits seit 18 Monaten ermittelt die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann die Herkunft der Bilder. „Bei einer einzigen Expertin hätte es noch Jahrzehnte gedauert, bis die Öffentlichkeit informiert worden wäre“, kritisiert die SPD-Kulturpolitikerin Isabell Zacharias und spricht von einer „Riesenblamage für Bayern und Deutschland“. Sepp Dürr von den Grünen moniert, dass man sich nicht an die Washingtoner Erklärung zum Umgang mit von den Nazis beschlagnahmter Kunst gehalten habe, in der sich auch Deutschland zu schnellstmöglicher Restitution verpflichtete.

Das soll nun mit der neuen Task Force geschehen. Deren Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel sagte im Landtag, acht bis zehn Forscher würden sich in geschützten Interneträumen austauschen. Die ehemalige Ministerialdirektorin des Kulturstaatsministers hofft außerdem auf die Zusage einer „renommierten US-Forscherin“, deren Namen sie jedoch nicht verraten möchte.

Justizminister Bausback bekräftigt, dass die juristische Lage kompliziert sei, da mögliche Ansprüche zivilrechtlich verjährt seien. „Für mich als Mensch ist es schwer erträglich, dass die NS-Entrechteten zivilrechtlich möglicherweise nichts mehr erreichen können.“ Deshalb strebt er eine Einigung mit dem 80-jährigen Cornelius Gurlitt an. Bausback bestätigte bereits kursierende Zahlen: 977 Werke müssen auf ihre Herkunft überprüft werden. 384 davon seien der „Entarteten Kunst“ zuzurechnen, die übrigen 593 stehen unter Raubkunst-Verdacht.

Wo sich Cornelius Gurlitt aufhält, weiß keiner zu sagen. Berggreen-Merkel sucht das Gespräch mit ihm. Dem Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz zufolge habe man eine Zeitlang „Kontakt mit ihm gepflegt“, einen Termin für die Rückgabe der unbedenklichen Bilder wollte Gurlitt jedoch nicht vereinbaren. Unterdessen verlangt das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum Werke aus der Sammlung zurück. Eine Liste mit 500 in der NS-Zeit als „entartet“ beschlagnahmten Bildern sei an die Augsburger Staatsanwaltschaft geschickt worden. Die damaligen Kunstvereine seien privat geführt gewesen, eine Rückgabe wäre somit gesetzlich legitimiert.

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben