Debatte : Männerquote: Papas Elchtest

Eine Frauenquote ist gut, eine Teilzeitarbeitsquote für Männer besser, meint unser Autor. Ein Beitrag in unserer Serie zur Quote.

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Kinder und Karriere. Mehr Väter sollten Teilzeit arbeiten, um sich mehr um ihre Kinder zu kümmern, sagt unser Autor.
Kinder und Karriere. Mehr Väter sollten Teilzeit arbeiten, um sich mehr um ihre Kinder zu kümmern, sagt unser Autor.Foto: dpa

Sozialwissenschaftler staunten nicht schlecht, als in den neunziger Jahren die Zahl norwegischer Väter, die in Elternzeit gingen, in die Höhe schnellte. Das Land hatte eine Vaterquote eingeführt. Ging der Vater nicht für mindestens zehn Wochen in Elternzeit, verfiel die Geldleistung für die ganze Familie in diesem Zeitraum. Als die Forscher genauer hinsahen, waren sie noch überraschter. Sehr viele norwegische Väter hatten ihre Elternzeit anfangs genau in jene Wochen gelegt, in denen traditionell ein eher männlich geprägtes Ritual abläuft: die Elchjagd.

Staatlich verordnete Quotenregelungen müssen sich daran messen lassen, wie zielführend sie sein können. Schaut man sich die Diskussion über eine Frauenquote in Führungspositionen einmal aus Vätersicht an, ergeben sich interessante Visionen. Im besten Fall führt eine solche Frauenquote dazu, mehr Väter in Teilzeitarbeit und zur Betreuung von Kindern zu bringen.

An den Teilzeitzahlen kann man gut veranschaulichen, wie sehr das Familien- und Arbeitsleben noch von alten Rollen geprägt ist. Das bestätigt auch der aktuelle Familienbericht der Bundesregierung. Über 95 Prozent aller Väter arbeitet Vollzeit, während die Mütter es auf 33 Prozent bringen. „Kaum ein Mann wechselt wegen familiärer Verpflichtungen in die Teilzeit“, heißt es in der Studie.

Sowie ein Kind geboren ist, flüchtet der Mann

Die steigende Anzahl von arbeitenden Müttern ist auf Frauen zurückzuführen, die 50 Jahre und älter sind. Sie erhöhen die Quote der erwerbstätigen, meist in Teilzeit arbeitenden Mütter – weil die Kinder aus dem Haus sind und sie sich angesichts stagnierender Familieneinkommen noch etwas für die Rente dazuverdienen müssen. Auch die Befunde aus seriösen Studien wie dem Mikrozensus oder dem sozioökonomischem Panel sind eindeutig: Männer sind in den letzten Jahren weder im Haushalt noch in der Kinderbetreuung aktiver als früher. Sowie ein Kind geboren ist, flüchtet der Mann größtenteils noch immer in die Arbeit und verharrt gerne noch länger als sonst im Büro.

Selbst Paare, die sich den Haushalt geteilt haben, verfallen mit der Geburt des Kindes in alte Rollenmuster. Anhand der Statistiken lässt sich außerdem feststellen: Die Männer, die Väter werden, vermissen vor allem ihre Freizeit, Frauen, die Mütter werden, schränken ihre Freizeit zugunsten der Kinderbetreuung ein. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt ein Problem der Mütter.

Die Hoffnung liegt auf der Elternzeit

Der jüngste Familienbericht hat eine große Schwäche: Er beruht auf alten Zahlen, denn die letzte große Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes stammt von 2002. Sie wird nur alle zehn Jahre wiederholt, die Ergebnisse der jetzt laufenden nächsten Studie wird es frühestens in zwei Jahren geben. Bis dahin, sagen Sozialwissenschaftler, kann man nicht belegen, dass es den allseits gefühlten gesellschaftlichen Wandel auch wirklich gibt.

Bleibt als Hoffnungsträger die wachsende Menge der Väter, die Elternzeit nehmen? 2010 waren es im ersten Quartal immerhin 24,4 Prozent. Allerdings bleiben 75 Prozent nicht länger als acht Wochen zu Hause – was noch unter den Zahlen des norwegischen Elchtests liegt. Zur statistischen Wahrheit gehört auch, dass immer mehr Männer ein Leben ohne Kinder bevorzugen. Dass in Deutschland 77 Prozent der Frauen in Führungspositionen kinderlos sind, passt ins Bild.

Mütterquote statt Frauenquote

Eine Frauenquote, besser: eine Mütterquote für Führungspositionen würde Vätern das Argument nehmen, sie könnten schon aus finanziellen Gründen nicht zu Hause bleiben. Auf Chefsesseln werden Frauen hoffentlich besser bezahlt als in herkömmlichen Jobs, wo sie noch immer über 20 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Mehr Frauen und Mütter auf verantwortlichen Posten, das hätte im Idealfall noch einen Effekt: Führungskräfte würden vielleicht endlich mit gutem Beispiel vorangehen und selbst mehr Teilzeit arbeiten.

Breitenwirkung lässt sich auf andere Weise viel schneller erzielen. Im Sinne echter Gleichberechtigung brauchen wir eine „Teilzeitjobquote“ für Väter. Das ist der einzige Weg, der zum Ziel führt. Mehr Teilzeit für Väter, mehr Führungsjobs für Mütter – und beide arbeiten weniger – das wäre eine moderne, ja revolutionär neue Familienformel. Nur wenn entschieden mehr Männer in Teilzeit arbeiten, sich also befreien aus der Sklaverei des alleinigen Ernährertums, und wenn Frauen für die gleiche Arbeit auch gleich bezahlt werden – erst dann wird es den gesellschaftlichen Wandel geben, den die Quotenvorkämpferin der EU, Viviane Reding, und andere fordern. Eine Frauenquote wäre dann eigentlich überflüssig.

Zuletzt erschienen: ein Beitrag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gegen die Quote (16. März).

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