Deborah Kerr : Die Zarte

In ihren Rollen war sie mehr Nonne als leidenschaftlich Liebende: Die Schauspielerin Deborah Kerr, eine der klassischen Hollywood-Heldinnen, ist tot. Sie starb im Alter von 86 Jahren.

Christina Tilmann
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Deborah Kerr. -Foto: AFP

Sie ist von den klassischen Schönheiten eher die Stille, die Strenge. Mehr Nonne als leidenschaftlich Liebende, auch wenn sie 1953 in „Verdammt in alle Ewigkeit“ eine der sinnlichsten, aufregendsten Liebesszenen der Filmgeschichte hinlegt, mit Burt Lancaster am Strand, und Meer und Sand fegen über sie hinweg. Die typische Rolle aber ist eher die der Malerin Hannah Jelkes in John Hustons Tennessee Williams’-Verfilmung „Die Nacht des Leguan“ von 1964. Da ist Ava Gardner die heißblütige Liebende und Deborah Kerr die subtil Moralische, die lieber den geliebten Richard Burton verliert, als dass sie ihre Grundsätze verrät. Auch in dem immer noch zu Tränen rührenden Melodram „An Affair to Remember“ von 1957 mit Cary Grant verzichtet sie, durch einen Unfall gelähmt, lieber auf die Liebe ihres Lebens, statt eine Schwäche einzugestehen.

Disziplin hat sie immer gekannt, die kluge britische Offizierstochter, die zunächst Balletttänzerin werden wollte und dann schnell zur Schauspielerei wechselte. Mit der Rolle der Nonne Clodagh, die in „Schwarze Narzisse“ ein Kloster im Himalaya leitet, kam 1947 der Durchbruch; mit der Screwball-Comedy „Der Windhund und die Lady“ an der Seite von Clark Gable im gleichen Jahr der Beweis, dass sie auch scharfzüngig und witzig sein kann. In „Heaven Knows, Mr. Allison“ spielt sie noch einmal eine Nonne, diesmal neben Robert Mitchum. Doch die großen Erfolge folgten in den 50ern mit Monumentalfilmen wie „Quo Vadis“ (1951) und dem Filmmusical „Der König und ich“ 1956 an der Seite von Yul Brynner, der für seine Rolle als König von Siam den Oscar gewann.

Deborah Kerr bekam 1994 den Ehrenoscar – da hatte sie sich längst von der Leinwand zurückgezogen und lebte mit ihrem Ehemann in der Schweiz. Sie war seit Jahren an Parkinson erkrankt. Am Dienstag ist sie im Alter von 86 Jahren in England gestorben. Christina Tilmann

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