Kultur : Delikatessen: Alfred Hitchcock

Jan Gympel

Er ist einer der berühmtesten Filmregisseure aller Zeiten und hat einige der berühmtesten Filmsequenzen aller Zeiten geschaffen. Doch auch von Alfred Hitchcock gibt es noch manch nahezu Unbekanntes. Das Filmmuseum präsentiert einige dieser Raritäten im Nachklapp zu seiner Ausstellung über den brillanten Briten. So an diesem Wochenende sein Debüt "The Pleasure Garden" , zu deutsch reißerischer "Irrgarten der Leidenschaft" genannt (den Titel "Garten der Lust" soll seinerzeit die Zensur verboten haben). Der 1925 entstandene Film erzählt die Geschichte zweier Revuegirls, die dem wenig glanzvollen Dasein hinter der Bühne durch Männerbekanntschaften zu entkommen versuchen. Der melodramatische Stummfilm, der natürlich noch kein Meisterwerk, sondern eine frühe Fingerübung des damals 26-Jährigen ist, läuft morgen und am Sonntag mit Begleitung auf der einzigartigen Welte- Kinoorgel. Am selben Abend wird das tödliche Ehedrama "Malice Aforethought", eine weitere Seltenheit vorgeführt: Hitchcocks einziges, halbstündiges Hörspiel, das den "Master of Suspense" 1946 ganz auf der Höhe seines Schaffens zeigte - voller Freude an Ironie, makaberem Humor und dem Spiel mit dem Publikum. Daneben ist in den nächsten Tagen auch noch die Daphne-du- Maurier-Adaption "Rebecca" zu sehen, Hitchcocks erste US-Produktion und inzwischen ein Klassiker des romantischen Thrillers mit Laurence Olivier und Joan Fontaine. Sowie der weniger bekannte "Lifeboat", in dem der Meister nicht nur zeigt, wie klaustrophobisch und kammerspielhaft es auf dem offenen Ozean zugehen kann. Außerdem beantwortet er darin auf verblüffende Weise die Frage, wie er es wohl schafft, seinen legendären Kurzauftritt in einem Film unterzubringen, der einzig und allein in einem Rettungsboot spielt, in dem Überlebende eines versenkten Alliierten-Schiffes während des Zweiten Weltkriegs treiben - samt eines deutschen U-Boot-Kapitäns.

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