Kultur : Delikatessen: "Bei Anruf Mord"

Jan Gympel

Der Tonfilm hatte den Stummfilm in Windeseile verdrängt, Schwarzweißfilme sind längst nur noch Ausnahmen, und selbst das superbreite (und nicht fernsehkompatible) Cinemascopebild erfreut sich in letzter Zeit wieder wachsender Beliebtheit. Aber haben Sie sich schon mal gefragt, warum sich der "dreidimensionale" Film nicht durchsetzen konnte? Weil er überflüssig ist, denn für den räumlichen Eindruck beim Sehen ist viel wichtiger: Das Auge kann immer nur einen Punkt fokussieren, alles andere im Blickfeld bleibt unscharf - weshalb sich so wenig ändert, wenn man einfach mal ein Auge schließt. Zudem bringen die bei den meisten 3-D-Verfahren notwendigen Brillen die Augen dazu, etwas Unnatürliches und Falsches zu tun - nämlich nicht beide auf den gleichen Punkt zu sehen. Und schließlich fiel den meisten Regisseuren kaum mehr ein, als dauernd Sachen in Richtung Publikum purzeln zu lassen. Eine Ausnahme bildet einer der besten Filmemacher aller Zeiten: Alfred Hitchcock, der im kurzen amerikanischen 3-D-Boom des Jahres 1953, mit dem die Studios auf die wachsende Konkurrenz des Fernsehens reagierten, Bei Anruf Mord in 3-D realisierte. Manche Bewegungen in dem klassischen Thriller mit Grace Kelly als Frau, die den von ihrem Gatten gedungenen Mörder tötet und daraufhin des Mordes angeklagt wird, werden erst verständlich, wenn man den Film in dieser "räumlichen" Fassung sieht - etwa wenn Grace Kelly beim Versuch, die Schere zu ergattern, mit der sie den Einbrecher umbringen wird, in Richtung Publikum langt. Im Rahmen der Hitchcock-Retro im Potsdamer Filmmuseum ist diese erst seit einigen Jahren wieder zugängliche Rarität morgen um 21.10 und 23 Uhr, sowie am Sonnabend um 21 und 23 Uhr zu sehen.

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