Kultur : Delikatessen: Das Schaffen des Alexander Dowshenko

Jan Gympel

Mit dem Begriff "Heimat" und "Heimatfilm" tut man sich in Deutschland schwer. Andernorts hat man damit weniger Probleme. So kann man wohl den Schwerpunkt des Schaffens von Alexander Dowshenko als eine Art revolutionären Heimatfilm bezeichnen: einerseits tief verwurzelt im eigenen Land, seiner Natur und seinen Mythen, andererseits vom Glauben an den Kommunismus erfüllt und diesen propagierend. Wie bei anderen Vertretern des Revolutionsfilms der frühen Sowjetunion führte der Kommunismus auch bei dem Ukrainer bisweilen zu Ergebnissen, die aus heutiger Sicht skeptisch stimmen: So feiert sein berühmtester Film Semlja (Erde) die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und den Terror gegen die von den Bolschewiki zu Sündenböcken auserkorenen "Kulaken". Ob es in Dowshenkos Gesamtwerk, das von seinem Sinn für ebenso gewaltige und expressive wie lyrische Bilder bestimmt wird, noch andere fragwürdige Aussagen gibt - zu derlei Fragen bietet das Arsenal in den kommenden zwei Wochen die äußerst seltene Gelegenheit: Das Kino präsentiert eine umfassende Retrospektive, in der Frühwerke wie das Bürgerkriegsdrama Der verzauberte Wald (heute, 19.30 Uhr) ebenso zu sehen sind wie die enthusiastische Mixtur aus Propaganda, Spionagefilm und Science Fiction Aerograd (Montag) oder die während des Zweiten Weltkriegs entstandenen Dokumentationen über den Kampf gegen die deutsche Invasion (9. und 11. November). Einen Vortrag über "Dowshenko und Deutschland" (hier hatte der spätere Regisseur Malerei studiert) hält morgen um 19 Uhr Hans-Joachim Schlegel, anschließend läuft der Revolutionsfilm, der dem Kino den Namen gab: Arsenal.

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