Kultur : Delikatessen: Dokumentarfilme

Jan Gympel

Der Dokumentarfilm ist das älteste Genre der Filmgeschichte. Schließlich stellten die Väter des Kinos ihre Aufnahmeapparaturen irgendwo auf und filmten irgendein Geschehen, um ihre Erfindung zu erproben. Es dauerte allerdings relativ lang, bis man zu anspruchsvolleren Studien gelangte. Seine erste Blüte erreichte der Dokumentarfilm in den dreißiger Jahren, als nicht nur die totalitären Parteien begonnen hatten, sich für das Medium zu interessieren. So produzierten das "Empire Marketing Board" und ab 1933 das "General Post Office" die Arbeiten der britischen Dokumentarfilmbewegung, die sich die Dramatisierung des Alltäglichen zum Ziel gesetzt hatte. Die einzige Arbeit, bei der ihr führender Kopf John Grierson auch Regie führte, war Grifters über das Geschehen auf einem Heringsfangschiff in der Nordsee. Am Montag, 22 Uhr, läuft der Film zusammen mit Night Mail, in dem Basil Wright und Harry Watt aus der Schilderung des Transports der Abendpost von London nach Edinburgh ein Filmgedicht machten, mit Versen von W. H. Auden und Musik von Benjamin Britten. Das Programm ist Teil der filmhistorischen "Magical History Tour", die in den nächsten Tagen einige Klassiker des Dokumentarfilms präsentiert. So auch frühe Arbeiten von Joris Ivens wie den impressionistischen Regen, die Attacke gegen die Vernichtung "überproduzierter" Nahrungsmittel Neue Erde und den ebenso poetischen wie politischen Essay Spanish Earth über den Spanischen Bürgerkrieg (Sonntag, 21.45 Uhr). Besondere Rarität: der britische Film and Reality (1942), in der Dokumentarist Alberto Cavalcanti sein Metier reflektierte (Dienstag, 21.30 Uhr).

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