Kultur : Delikatessen: Marie Epstein

Jan Gympel

Schauspielerin, Drehbuchautorin, Regisseurin und Filmrestauratorin war Marie Epstein - und dennoch ist sie hierzulande fast unbekannt. Einerseits weil sie im Schatten berühmter Männer stand, wie jenem des Avantgardisten Jean Epstein oder dem des Cinémathèque-Française-Gründers Henri Langlois; andererseits weil ihre Filme in Deutschland kaum gezeigt werden. Dies alles macht die Französin zum Fall für die "Blickpilotin": Der Verein kümmert sich seit Jahren darum, der Filmarbeit von Frauen Öffentlichkeit zu verschaffen. Am Sonnabend (19 Uhr, Arsenal) präsentiert er den vielleicht schönsten Film Epsteins, den sie 1933 mit ihrem Kompagnon Jean Benoit-Lévy schrieb und inszenierte. La maternelle erzählt die Geschichte eines vernachlässigten Pariser Arbeitermädchens, das in einem Heim eine Ersatzmutter findet. Als die junge Frau jedoch heiraten will, fühlt sich das Kind erneut im Stich gelassen und flüchtet in eine Verzweiflungstat. Im Sinne des Poetischen Realismus, der im französischen Kino der dreißiger Jahre die bemerkenswertesten Produktionen hervorbringen sollte, verbindet der Film soziales Engagement mit lyrischer Bildsprache und innovativen filmischen Mitteln. Madeleine Renaud spielt die Erwachsenen-Hauptrolle, gezeigt wird das Original mit (per Kopfhörer) eingesprochener deutscher Übersetzung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben