Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Eine erzkonservative Premierministerin, die sich langsam aber unaufhaltsam immer mehr in einen Mann verwandelt, brutale, prügelnde Polizisten, wirre, orientierungslose Linkspolitiker, ein debiles Königshaus - im Großbritannien der 80er Jahre war die böse Puppensatire "Spitting Image" eine feste Größe.Was bei der gleichen Firma, nach dem Ende des kultigen "Flagschiffs", inzwischen geschaffen wurde, zeigt jetzt eine Woche lang das Eiszeit: Der Knetpuppentrick "Crapston Villas" nimmt sich, politisch schön inkorrekt, jene Mühseligen und Beladenen vor, die von den zumindest die Medien beherrschenden Kreisen umhegt werden.Schwule, Schwarze, Alte, Kinder, Katzen, Möchtegern-Künstler, Alleinerziehende und viele andere werden in einem heruntergekommenen Londoner Stadtteil, mit aggressivem Humor und kaum ein Klischee auslassend, karikiert.Das Ganze könnte problemlos auch in Kreuzberg oder Friedrichshain spielen.Aber was dort geschieht, muß man hierzulande ja dufte finden, weshalb es aus Deutschland genausowenig etwas Vergleichbares gibt wie der, klägliche, Versuch einer "Spitting Image"-Imitation gelingen konnte.

Deutsch-brav ging es erst recht in den Arbeiten des Defa-Trickfilmstudios zu, wenngleich dort ebenfalls meist Puppen agierten.Im Rahmen seines Jour fixe präsentiert der Filmsammler Ralf Forster am Montag im Acud unter dem Titel "Alles Trick - Animation aus Dresden" zwölf Beispiele für das "volkseigene" Trickfilmschaffen aus vier Jahrzehnten.

Noch immer als Geheimtip gilt vielen Roland Klick: Ein Regisseur, der heute womöglich zu den prominenten Machern zählen würde, doch zu Zeiten des drögen Autorenkinos der sozialliberalen Ära mit seinem Hang zu Genrefilmen leider kaum beachtet und schon gar nicht besonders geschätzt wurde.Im Hackesche Höfe-Filmtheater ist es in den kommenden vierzehn Tagen möglich, dieses Urteil über den Veteranen des Neuen Deutschen Filmes womöglich zu korrigieren: Es laufen der psychedelisch angehauchte Abenteuerfilm "Deadlock" mit Mario Adorf und Musik von The Can, der Großstadtdschungel-Thriller "Supermarkt" und das Drama "White Star" mit Dennis Hopper als Musikmanager, der einen Unbekannten zu Ruhm verhelfen will.Am Sonnabend wird Roland Klick zu den Vorstellungen um 19 und um 21.15 Uhr anwesend sein, am Sonntag zu jenen um 11 und 13 Uhr.

Mit dem letztgenannten Termin tritt er in eine harte Konkurrenz zu einer Ikone des deutschen Kitschfilms: Im Rahmen des Rummels um den hundertsten Todestag Elisabeths von Österreich, zeigt nun auch das ehrwürdige Zeughaus-Kino "Sissi" in seinen Sonntags-Matineen; am kommenden Wochenende den ersten und an den beiden folgenden Sonntagen den zweiten und dritten Film der Schnulzen-Serie, die für gewöhnlich nur im Fernsehen zu erleben ist.

Noch Schlimmer als Romy Schneider mit "Sissi" traf es Raimund Harmstorf, der das Image des kartoffelquetschenden Wolf Larson zu seinem Leidwesen nie mehr so richtig los wurde.Zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen Schauspieler zeigt die Brotfabrik in den kommenden vierzehn Tagen denn auch prompt diesen Film: Wolfgang Staudtes 1971 entstandene Adaption von Jack Londons "Der Seewolf".Dabei handelt es sich um die - kürzere und daher etwas flottere - Kinofassung, derweil das ZDF gerade mit der Wiederholung der aus den gleichen Aufnahmen gefertigten Mini-Serie begonnen hat.

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