Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Auch im Bereich der Filmtitel schreitet die Globalisierung voran: Selbst dem Durchschnittsdeutschen so unaussprechliche Gebilde wie "Arachnophobia" oder "Phenomenon" werden inzwischen nicht mehr übersetzt.Bis weit in die siebziger Jahre hinein ließen die deutschen Verleiher dagegen oft ihrer Phantasie freien Lauf, motzten die Titel gegenüber dem Original ordentlich auf und trafen damit manchmal den Kern der Sache sogar besser - etwa im Fall von Teuflische Brüste.Denn der eigentlich ganz blaß und ohne Aussagekraft "Deadly Weapons" betitelte Streifen ist ein Höhepunkt des Trash-Films, jener Art von Kino, die so schlampig gemacht, hanebüchen und trivial ist, daß sie schon wieder großen Spaß bereitet.In diesem 1973 entstandenen Schmankerl befördert eine Frau die Mörder ihres Mannes dadurch ins Jenseits, daß sie sie mit ihrem äußerst beachtlichen Busen erstickt.Ganz zugeschnitten wurde diese hübsche Story auf Chesty Morgan, die die sagenhafte Oberweite von 183 Zentimetern vorweisen konnte.Produziert und inszeniert wurde der Film übrigens nicht von einem Mann, sondern von einer Dame namens Doris Wishman.Denn, liebe Feministinnen, eigentlich müßte dies doch ein Werk ganz in Ihrem Sinne sein: Eine Frau läßt den Beischlaf für den Mann letal enden, indem sie ihn mit eben jenem Objekt der Begierde zu Tode bringt, dessentwegen er sie wahrscheinlich nur ins Bett zerren wollte - unter krasser Mißachtung ihrer doch sicher auch ganz enormen inneren Werte (Central, bis Mittwoch).

Apropos siebziger Jahre: Als Im Himmel ist die Hölle los 1984 entstand, wußte man noch, daß Plateausohlen, Haarmatten und bunte, zu kurze Kleidchen gräßlich sind und machte sich deshalb gnadenlos über sie lustig.Helmer von Lützelburgs musikalisches Meisterwerk, auf dessen Fortsetzung wir seit langem warten, ist der vielleicht schönste, schrillste und gekonnteste Film über jene inzwischen ferne Zeit, als das Fernsehen noch wenig Programm bot und deshalb unglaublich wichtig und ehrfurchteinflößend, kurzum: das Größte war.Entsprechend heftig ist der Kampf, der zwischen ambitiösen Teenagern und ihren noch viel ambitiöseren Müttern entbrennt, als ein schmieriger Showmaster-Superstar eine neue Assistentin sucht.Eine fröhliche Farce nicht nur mit Billie Zöckler, Barbara Valentin, Beate Hasenau, Dirk Bach (als er noch ein Kölner Szene-Star war) und Ralph Morgenstern ; sondern auch mit Frau Sommer und der Ado-Goldkante, Hammond-Orgeln und einer Avon-Beraterin.Aber Vorsicht: Wer unter 25 ist und das "klassische" Fernsehen der vorkommerziellen Zeit nicht mehr erlebt hat, wird viele Witze und Anspielungen nicht verstehen (International, Montag).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben