Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Kennen Sie Muriel Box? Gucken Sie nicht in Ihr Filmlexikon, Sie werden sie darin kaum finden, obwohl sie mehr als ein Dutzend Filme inszeniert hat.Es ist den Feministinnen nicht zu verdenken, wenn sie unwirsch werden angesichts der Tatsache, daß die wenigen Frauen, die sich vor dem Beginn der "neuen" Frauenbewegung im Regiegeschäft behaupten konnten, von der Historiographie ignoriert werden.Meist mit dem Argument, ihre Arbeiten seien weniger profund.Aber wie sollten sie dies auch sein, stellte es doch oft schon eine Meisterleistung da, überhaupt einen Produzenten zu finden? Für The truth about women, soll der Verleih beispielsweise 1957 sowohl Premiere als auch Pressearbeit verweigert haben.Das Lustspiel über einen Möchtegern-Don Juan läuft im Rahmen der Mai-Zetterling-Retrospektive im Arsenal - als einziges Beispiel für einen Auftritt der Schwedin als Schauspielerin, bevor sie selbst in den Regiestuhl stieg.Zuvor stellt die "Blickpilotin - Verein zur Förderung feministischer Film-Bildungsarbeit" ihre Materialsammlung über Box und Zetterling vor (Sonnabend).

Ein veritables Buch ist dagegen über einen männlichen Regisseur angekündigt: Ende der sechziger Jahre avancierte Arthur Penn zu einem der wichtigsten Vertreter des "Neuen Hollywood", Streifen wie "Bonnie and Clyde" oder "Little Big Man" erneuerten das Genrekino, indem sie es thematisch und stilistisch erweiterten und kritisch hinterfragten.Mit zwei guten Beispielen dafür beginnt das Zeughaus am Dienstag seine Penn-Werkschau: Der von Gore Vidal geschriebenen "Billy the kid"-Version "The Left-Handed Gun", 1958 das Debut des Regisseurs, und dem 1975 entstandenen Detektivfilm "Night Moves (Die heiße Spur)".

Bereits erschienen ist ein Buch über den unermüdlichen Berliner Bilderanalysten Harun Farocki, dessen Essay- und Dokumentarfilme zu dem Klügsten und über unser Leben und Sehen Aufschlußreichsten gehören, das im bundesdeutschen Bilderwulst der letzten dreißig Jahre entstanden ist.Präsentiert wird der Band "Der Ärger mit den Bildern" am Dienstag im Arsenal in Anwesenheit der Herausgeber Rolf Aurich und Ulrich Kniest sowie Farockis.Im Anschluß daran laufen sein 1969 entstandener Film "Nicht löschbares Feuer" über Vietnam, Napalmproduktion und die Entfremdung der Arbeit, sowie Jill Godmillows 1998 entstandenes Remake "What Farocki Taught".

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