Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Nicht nur den Mode-, auch den Filmemachern scheint kaum noch Neues einzufallen: Remakes sind in, und kaum eine beliebte Fernsehserie aus den Sechzigern ist von Hollywood in den letzten Jahren nicht zu einer kinomäßigen Auferstehung verwurstet worden."Mit Schirm, Charme und Melone" steht uns demnächst ins Haus.Meist verhält es sich mit diesen Produkten aber wie mit Tee: Der zweite Aufguß schmeckt fad, erst recht wenn es sich um die amerikanische Reproduktion europäischer Ware handelt.Eine der wenigen Ausnahmen ist Stardust Memories: Wir ziehen gern den Zorn der gesammelten Kritikerschaft auf uns, wenn wir behaupten, daß Fellinis berühmter "Achteinhalb" nicht so gut ist wie Woody Allens 1980 entstandenes Quasi-Remake.Denn wo Fellini die Krise eines Regisseurs bierernst und mit in diesem Falle recht hohlem Hokuspokus schilderte, da tat Allen es mit schneidendem Sarkasmus, fast verzweifelter Tragikomik - und sechzig Filmminuten schneller.Daß der Streifen heute recht unbekannt ist, liegt vor allem an der Ablehnung der US-Kritik, die Allen beschuldigte, sein Publikum beschimpft zu haben.Wobei kaum jemand bemerkte, daß "Stardust Memories" genau diese Art von Vorwürfen bereits thematisiert: Ein berühmter New Yorker Komödienregisseur (natürlich Allen selbst) will nicht mehr komisch sein, wird dafür von allen Seiten attackiert, hat es hinzunehmen, daß die Produzenten seinen neuen Film verhunzen und muß auf einem Provinzfestival die schwachsinnigen Fragen des Publikums wie die irrsinnigsten Avancen seiner Fans ertragen, welche darin gipfeln, daß eine Frau ihn in seinem Bett erwartet.Ganz nebenbei hat er auch noch seine verwickelten Beziehungsprobleme zu lösen, zu faszinierenden Schwarzweißbildern gibt es die üblichen klassischen Jazzklänge, und am Ende entpuppt sich alles als komplexes Film-im-Film-im-Film-Spiel (Filmmuseum Potsdam, heute, morgen und Sonntag).

Allens vielleicht boshaftester Film entstand als Reaktion auf das Unverständnis, das er mit "Interiors" geerntet hatte: Sein erster Ausflug in "ernste" Gefilde war eine plumpe Nachahmung der weiblichen Seelendramen seines Idols Ingmar Bergman gewesen.Doch auch in diesem Falle ist das Original meist das beste, und da der berühmte Schwede gerade seinen achtzigsten Geburtstag feierte, sind dieser Tage zwei seiner Werke wieder zu sehen: Im Filmmuseum Potsdam bis Sonntag "Das Lächeln einer Sommernacht" (seinerseits eine Paraphrase auf Shakespeares "Sommernachtstraum"), im Checkpoint bis Mittwoch "Abend der Gaukler".Parallel zu letzterem läuft "Die Clowns", ein anderer Blick auf die Zirkuswelt, von - Fellini.

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