Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Was läge Ende Juli näher als in die Ferne zu schweifen? Nachdem es sich drei Wochen lang der "Großstadt und ihren Helden" gewidmet hat, zeigt das Acud-Kino daher jetzt jahreszeitgerecht Roadmovies.Natürlich sind Wim Wenders und viele Streifen aus Amerika, dem Mutterland dieses Genres, dabei.Den Anfang der bis zum 19.August laufenden Reihe machen jedoch zwei Werke, die man nicht sofort in einem solchen Programm wähnen würde: "Children Of Nature" aus dem schönen Island, wo es zum Schrecken aller Schwitz-, Sonnenbrand- und Entblößungsfanatiker schon eine außergewöhnliche Hitzewelle darstellt, wenn es mal zwanzig Grad wird.Von eher sprödem Charme sind denn auch die Aufnahmen der Landschaft, durch die zwei alte Menschen aus einem sinistren Seniorenheim zurück zu ihren bäuerlichen Wurzeln fliehen, einem friedvollen Tod entgegen.Fast das völlige Gegenteil dazu: "The Wild One", Laslo Benedeks 1953 entstandener Prototyp aller Motorradrockerfilme und Marlon Brandos gewichtiger Beitrag zur Popularisierung der Lederkluft; (allzu) kraftstrotzende junge Leute, die über eine US-Kleinstadt herfallen wie es sonst im Amikino jener Jahre immer die Außerirdischen oder die Kommunisten taten (beide Filme bis Mittwoch außer Montag).Außerdem jeweils freitags und sonnabends zu mitternächtlicher Stunde: Bruce McDonalds "Highway 61", etwas bemüht, aber mit viel beliebter Rockmusik versehen.

Noch weiter weg geht es bei dem "Australisch-Neuseeländischen Filmfest" ab Sonnabend im Balázs, Blow Up, Filmkunst 66 und Freiluftkino im Podelwil.Präsentiert werden Klassiker wie "Picknick am Valentinstag" oder "Walkabout", Beliebtes aus jüngerer Zeit wie "Shine", "Priscilla, Königin der Wüste" oder "Muriels Hochzeit", aber auch zu Entdeckendes wie das ebenso witzige wie einfallsreiche Kurzfilmprogramm "Five easy pizzas."

Nicht nur den Raum, sondern auch die Zeit und die Grenzen der Ratio überwindet ein Freiluftkino in Mitte: Es geschah morgen ist der Titel der ums Surreale kreisenden Reihe, passend zum bizarren Ambiente des Vorführortes, der Klosterkirchenruine.In den nächsten Tagen dort zu sehen: Chris Markers beklemmendes kleines Meisterwerk einer Zeitreise in den Tod, "La Jeté", zusammen mit Terry Gilliams ungleich lauterem "12 Monkeys", in dem Bruce Willis mal wieder die Welt rettet (Sonntag, letztgenannter Film auch Dienstag); Nicolas Roegs klassische Daphne-du-Maurier-Adaption "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (Sonntag und Dienstag); Nicholas Meyers kruder "Flucht in die Zukunft", wo der "Zeitmaschinen"-Autor H.G.Wells Jack The Ripper ins San Francisco des Jahres 1979 folgt; und natürlich René Clairs 1944 entstandene Komödie "Es geschah morgen" um einen Journalisten, der die Schlagzeilen des nächsten Tages schon kennt, bevor die Ereignisse passieren (Montag).

Keine Zeitreise, aber eine vergnügliche Darstellung eines Themas in drei verschiedenen Epochen bietet The three ages, 1923 Buster Keatons erstes abendfüllendes Werk (Zeughaus, Sonnabend und Dienstag).Wer den "Mann, der niemals lachte" lieber unter freiem Himmel sehen möchte, kann dies bereits heute im Freiluftkino Kreuzberg (im Hof des Bethanien) tun, wo Der Navigator läuft, live begleitet von Steven Garling, der mal etwas anderes bietet als die üblichen Klavierklänge.

Ebenfalls zu Stummfilmzeiten begründete seinen Ruhm Sergej Eisenstein.Und ebenfalls heute abend stellt Oksana Bulgakowa im Arsenal ihre Biographie des russischen Regisseurs vor, der vor hundert Jahren geboren wurde und vor fünfzig Jahren starb.Anschließend läuft der Film "Die verschiedenen Gesichter des Sergej Eisenstein", den die Autorin gemeinsam mit ihrem Partner Dietmar Hochmuth gestaltet hat.

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