Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Verona Feldbusch hat es geschafft, nicht nur zum Star der Boulevardpresse zu avancieren, sondern auch zum von den seriösen Gazetten diskutierten Phänomen.Ein Aspekt ihres kometenhaften Aufstiegs wird dabei oft übersehen: Sie gibt ein schönes Beispiel dafür ab, wie man etwas den (Fernseh-)Publikum nur immer wieder in den Rachen schieben muß.Erst schütteln sie sich und würgen ein wenig, aber irgendwann schlucken sie es dann doch.Freilich hat Verona auch Glück.Nicht nur, daß sie sich geschickt zu verkaufen weiß, sie trifft offenbar auch einen Nerv der Zeit.Jane Mansfield erging es da weniger gut.Dabei erscheint sie als Feldbusch der fünfziger Jahre, ähnlich offensiv mit den Klischees vom scharfen Dummchen kokettierend, dem damaligen Geschmack entsprechend aber erheblich rasanter gerundet und wasserstoffblond.Doch nur in zwei Filmen des genialen Frank Tashlin war es ihr vergönnt, sich konsequent als konzentrierte Form der damaligen "Sexbomben" und deren Parodie zugleich in Szene zu setzen.Einer von beiden, Will Success Spoil Rock Hunter?, eine bissige, kunterbunte Komödie um Reklame, Sex, Karriere und Fernsehen, läuft heute und Sonntag im Zeughaus.Glücklicherweise nicht in der stellenweise entschärften deutschen Version, sondern im Original, in dem man die Mansfield ähnlich quieken hören kann wie die Feldbusch piepst.

Gezeigt wird der Streifen in einer Reihe mit hervorragenden Musikfilmen.Einen exzellenten Vertreter davon kann man bis Mittwoch im Checkpoint sehen: Revue um Mitternacht entstand 1962 in der DDR und zeugt von dem hohen Niveau, das das bei den Kommunisten eigentlich ungeliebte Genre im Osten Deutschlands erreicht hatte, während im Westen längst nur noch dilettantische Schlagerfilme entstanden.Ein Werk voller Selbstironie und fröhlichen Vexierspielen, dreht es sich doch um nichts anderes als die schwierige Aufgabe, einen Musikfilm zu drehen.Und zwar einen, der um Ulbrichts willen bloß nicht "formalistisch" werden dürfe - schwarzer Humor zur Bewältigung der damals noch ganz jungen DDR-Vergangenheit, ebenso wie die Verschleppung von Filmleuten, die des nachts von mysteriösen Gestalten in dunklen Autos abgeholt werden.Bald löst sich freilich alles in Wohlgefallen auf, gibt es mal nicht die in Deutschland seit jeher beliebten Theatertableaus, sondern Tanznummern, die filmmusicalgerecht Zeit und Raum überwinden, aufwendige Dekorationen, die Musik des bewährtesten Defa-Komponisten Gerd Natschinski, sowie in den Hauptrollen den jungen Manfred Krug und als dessen vernunftbetonter weiblicher Widerpart (um nicht zu sagen: Tamara-Jagellovsk-ähnlicher Apparatschik) Christel Bodenstein.

Blondine Nummer drei: Ingrid Bergman.Der schönen Schwedin widmet das renovierte Kino Notausgang die ersten beiden Wochen nach seiner heutigen Wiedereröffnung.Die zehnteilige Werkschau umfaßt Klassiker wie die Hitchcock-Thriller "Berüchtigt" (heute, morgen, Sonntag, Montag und Mittwoch) und "Ich kämpfe um dich" (bis Sonnabend, sowie Dienstag und Mittwoch), ihren ersten US-Film "Intermezzo" (heute, Sonnabend und Montag) oder die herrliche Boulevardkomödie "Indiskret" (von morgen bis Mittwoch außer Montag).

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