Kultur : DELIKATESSEN

JAN GYMPEL

Filmisches Tagebuch und Collage - bis auf wenige Ausnahmen sind diese Genres nur für ganz hartgesottene Cineasten zu genießen: Das eine endet meist in der eitlen Selbstbespiegelung eines Kamerahalters, das andere mündet schnell in einer nervtötenden Revue beliebiger Fundstücke.Anders bei Vivian Ostrovsky: Die Filmemacherin, in New York als Kind russischer und tschechischer Eltern geboren, in Brasilien aufgewachsen und seit langem in Paris ansässig, verbindet die beiden "heiklen" Genres zu etwas erfrischend Neuem.Sieben ihrer meist etwa viertelstündigen Arbeiten wird Ostrovsky am Sonnabend im Arsenal auf Einladung des Frauenfilmvereins "Blickpilotin" vorstellen: meist Alltagsbeobachtungen an verschiedensten Orten der von ihr offenbar ausgiebig bereisten Welt, die sie etwa durch Zeitraffer oder eine rabiate Schnitttechnik verfremdet und mit vielfältigen, einfallsreichen Toncollagen kontrapunktiert hat.Zwar kippen am Ende von "Movie" die Nachtbilder aus New York, Jerusalem, Amsterdam und Rio dank einem ungarischen Tango (!) in herzzerreißende Melancholie, doch Ostrovskys Markenzeichen scheint eher die Hibbeligkeit zu sein: Durch ihre Techniken verwandelt sich banales Alltagseinerlei nicht selten in grotesk-witzige Vorgänge.Etwa die Sommerfrische einiger Freundinnen in "Allers-venues" mutiert zu Entspannungs- und Bussi-Bussi-Hektik, und in "USSA" wirkt der einstige Tschingderassabumm-Staatszirkus auf dem Roten Platz noch befremdlicher, als es viele Dinge aus Sowjetzeiten mittlerweile ohnehin tun.

Aus der Welt des untergegangenen Kommunismus speist sich auch das Festival des jungen osteuropäischen Films in Cottbus, dessen achter Durchlauf bis Sonntag dauert.Einige dort vorgeführte Filme zeigt das Acud von Montag bis Mittwoch, darunter am Montag "Drei Palmen für zwei Panzer und ein Mädchen": Die Geschichte dreier junger Bankräuber, die sich dem alltäglichen Irrsinn im Milosevic-Reich anschließen und ihre Tat als selbstverständlich und gar nicht ungesetzlich betrachten, wurde in Rest-Jugoslawien mit Preisen überhäuft und war dem Vernehmen nach beim Belgrader Publikum erfolgreicher als "Titanic".Der Regisseur Radivoje Andri und Goran Radakovic, einer der Hauptdarsteller, werden anwesend sein.

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