Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

Irgendwie kommt es einem bekannt vor: Hohen Funktionsträgern und Mittätern einer Diktatur werden prima Renten und Entschädigung für ein bißchen Untersuchungshaft gezahlt, derweil Leute, die qua Sippenhaft keinen Beruf erlernen durften, nicht mal die Rente aufgestockt wird.Andererseits: In den ach-so-furchtbaren fünfziger Jahren wurden über das, was da schon wieder oben schwamm und frech wurde, noch Filme gedreht.Zum Beispiel Rosen für den Staatsanwalt, wo Walter Giller einen Mann spielt, dem ein besonders eifriger Jurist (Martin Held) bei Kriegsende wegen einer Lappalie ein Todesurteil verschaffte.Nachdem er die Hinrichtung durch Zufall überlebt hat, trifft er den Hundertprozentigen fünfzehn Jahre später wieder - in Amt und Würden, derweil er selbst ein Entwurzelter geblieben ist.Doch die Befriedigung, die Wolfgang Staudte und Georg Hurdalek dem Zuschauer am Ende ihres 1959 entstandenen Werks verschaffen, ist nur eine relative.Bei allen satirischen Elementen, die diesen Streifen zu einer Art "Schtonk" der Adenauer-Ära machen: Viel mehr als in all den späteren deutschen Düsterwerken über diese Zeit ist die Atmosphäre hier inmitten eines modern durchgestylten Ambientes eisig (Arsenal, Sonnabend und Sonntag).

Neben diesem Klassiker ist Hitler - eine Karriere eine Rarität.1977 sorgte die Filmversion der erfolgreichen Biographie von Joachim C.Fest, an der dieser auch als Drehbuchautor und Co-Regisseur beteiligt war, für einigen Ärger: Man warf dem Journalisten vor, der Faszination des Diktators erlegen zu sein.Das mehr als zweieinhalbstündige Werk läuft heute begleitend zur Riefenstahl-Ausstellung im Filmmuseum Potsdam, wo man am Sonnabend und Sonntag auch einen Blick auf das Leinwanddebüt von Hitlers Filmpropagandistin werfen kann: In Arnold Fancks Drama Der heilige Berg spielte sie 1925/26 eine Tänzerin, die zwei Alpinisten (einer von ihnen Luis Trenker) entzweit.Später wurden Fancks Berg-Filme per se unter Faschismusverdacht gestellt.Aber fotografieren Sie mal Hochgebirge so, daß es nicht imposant, monumental und pathetisch wirkt!

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