Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

Immerhin einen positiven Aspekt hatte der 1995 verübte Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn: Einige Zeit später befand die japanische Justiz, daß die verantwortliche Sekte, die auch noch so einige andere Verbrechen auf dem Kerbholz hatte, gar nicht als verbrecherische Organisation zu verbieten sei, und demonstrierte damit, daß sie offenkundig schon genauso gaga ist wie die westliche.Wahre Anhänger des ureuropäischen Glaubens daran, daß aus dem Osten das Heil komme, werden sich davon freilich nicht irritieren lassen.Wenn es mal nicht indische Mystik, chinesische Körperertüchtigung oder tibetanische Theokratie sein sollen, kann man es ja mal mit Japanischer Architektur versuchen.Auch dort gibt es natürlich viel Tradition und esoterische Theorie.Andererseits aber auch interessante Adaptionen der westlichen Moderne und Rückwirkungen auf sie.Begleitend zu seinen Ausstellungen über den Stararchitekten Kisho Kurokawa und zeitgenössische Produkt- und Baugestaltung in Nippon zeigt das Haus der Kulturen der Welt einige Filme.Darunter Porträts Kurokawas (morgen) und Tadao Andos (Dienstag).Letzterer taucht auch in einer zusammenfassenden Darstellung japanischer Architekturstars wie Arata Isozaki und Kenzo Tange auf ("Japan: Three Generations of Avant-Garde Architects", morgen).Historische Dokumente sind der 1955 entstandene Kurzfilm "Japanische Zimmerleute" über die Tradition der Holzverarbeitung vom Einschlag bis zur Schnitzerei, sowie "Enjo - der Tempel zur Goldenen Halle", der sich 1958 um die Brandstiftung an dem Naturheiligtum Kinkaka-Tempel drehte (beide Sonntag).Einen Einblick in den Horyuji-Tempel und den Kaiserpalast von Kyoto, die beide nicht ohne weiteres zugänglich sind, kann man zum Abschluß am Dienstag gewinnen.Einige Filme laufen auch am Montag im Deutschen Architekturzentrum in Mitte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben