Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

Was die Amis können, können wir schon lange.Zum Beispiel ziemlich peinliche Remakes schöner Filme drehen.Wie man hört, droht derlei demnächst Schloß Gripsholm.Tucholskys sanft ironische Geschichte zweier verliebter Großstadtpflanzen, die sich in Schwedens Natur auf die Suche nach Romantik begeben, hat schon einmal Kurt Hoffmann für die Leinwand adaptiert.Zwar schrieb dem Spezialisten für gehobene Unterhaltung im bundesdeutschen Nachkriegskino ausgerechnet Herbert Reinecker das Buch, der sich wiederum als Fachmann für gleichförmige Dialoge einen Namen gemacht hat.Doch selbst er konnte der Vorlage nicht ihren Charme austreiben.Und bevor das Remake über uns kommt, kann man den 1963 entstandenen Film mit Jana Brejchov und Walter Giller, Nadja Tiller, Hanns Lothar und Agnes Windeck noch einmal von Sonnabend bis Montag im Babylon-Mitte sehen.

Bemerkenswerterweise hat sich noch kein Produzent, kein Regisseur an das Remake eines Fassbinder-Films gemacht.Dabei nähme es doch etwa eine Nina Hoss in Sachen statischer Mimik ohne weiteres mit Hanna Schygulla auf, und wie wäre es mit Thekla Carola Wied in der einst von Brigitte Mira verkörperten Rolle der alternden, einsamen Putzfrau, die eine allseits angefeindete Beziehung mit einem jungen Araber beginnt? Angst essen Seele auf läuft bis Mittwoch im Notausgang, parallel zu zwei weiteren Paradebeispielen des Regisseurs für die meisterhafte Vermischung von Politischem und Privatem, Unterhaltsamem und Anspruchsvollem: Erstens Lola, immer noch eine der bösesten Satiren auf das Nachkriegsdeutschland, mit Barbara Sukowa, Armin Mueller-Stahl und vielen anderen sympathischen Menschen, da zu Fassbinders bemerkenswerter Detailgenauigkeit auch stets die gekonnte Besetzung von Nebenrollen gehörte.Und zweitens Lili Marleen, die melodramatische Paraphrase auf den Erfolg des berühmtesten Weltkrieg-II-Schlagers und das Schicksal seiner Sängerin Lale Andersen, die RWF schon 1981 den Vorwurf eintrug, "den Faschismus zu ästhetisieren".

Eher inhaltlich rätselhaft und streitbar gab sich der Surrealismus.In seiner dieser Kunstrichtung gewidmeten Reihe zeigt das Babylon-Mitte zwei Meilensteine der Filmgeschichte, mit denen Luis Buñuel seinen Ruhm begründete und an denen auch ein anderer Großmeister des Surrealismus mitwirkte: Salvador Dali.Zum einen beider Filmdebüt Ein andalusischer Hund, der nicht zuletzt wegen der für anno 1929 schockierenden Gewaltszenen berühmt und berüchtigt wurde (zusammen mit dem 1971 entstandenen "Salvador Dali - Soft Self-Portrait" heute und morgen).Zum anderen Das goldene Zeitalter, der kurz darauf mit weiteren irritierenden Szenen und Attacken auf Staatsmacht, Familie und Kirche erfreute, wobei letzteres natürlich noch viel mehr Spaß machte in einer Zeit, da der Klerus noch einflußreich war - woraufhin der Film vielerorts prompt verboten wurde (mit Buñuels 1965 gedrehtem "Simon in der Wüste" am Sonnabend und Sonntag).So erfrischend waren Provokationen, als diese noch nicht zu kaltem Kaffee zum Beispiel am hochsubventionierten Staatstheater verkommen waren!

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