Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

Proteste von Leuten, die versichern, sie stünden am Rande des Hungertods, kommen in Deutschland immer gut an.Und nur böse Zungen bemerken, daß die Traktoren, mit denen die Elenden da beispielsweise aufmarschieren, in der Regel recht neu und proper aussehen.Zu diesem aktuellen Thema paßt die Bauern-Trilogie des Schweizer Dokumentarfilmers Erich Langjahr, deren beide bisher existierende und schon mehrfach preisgekrönte Teile das Arsenal in den nächsten Tagen zeigt: Morgen "Sennen-Ballade" über den noch urtümlich anmutenden Alm-Alltag einer Sennerfamilie am Ende des 20.Jahrhunderts.Und am Sonnabend "Bauernkrieg": statt bäuerliche Lebensweise EU-gerechte Massenproduktion von Tieren und Tiererzeugnissen, statt ineffizienter Tradition durchindustrialisierte Landwirtschaft, statt idyllischer Bilder Aufnahmen von Versteigerungen bankrotter Höfe und aus einer Tiermehlfabrik.

Um jene Sache, die angeblich die Welt regiert, dreht sich auch der wohl beste Film Erich von Stroheims: Gier nach Geld, auch bekannt unter dem Originaltitel Greed.Leider benötigte der Österreicher auch jede Menge Geld für seine Arbeiten, was den Hollywood-Produzenten reihum die Haare zu Berge stehen ließ.Im vorliegenden Fall wollte er die Vorlage von Frank Norris Seite für Seite verfilmen, was ein neunstündiges Opus ergab.Wie bei Stroheim üblich, wurde ihm der Film entzogen und von fremder Hand auf rund zwei Stunden verstümmelt.Es spricht für den Regisseur, daß das naturalistische Dreiecksdrama um einen gutmütigen Quacksalber, seinen gerissenen Freund und den fatalen Lotteriegewinn der von beiden geliebten Frau noch immer beeindruckend wirkt.Morgen und am Sonntag kann man den 1923 entstandenen Stummfilm im Potsdamer Filmmuseum erleben - begleitet auf der einzigartigen Kinoorgel.

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