Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

Große Filmepen erfreuen sich immer noch einiger Beliebtheit.Freilich haben die veränderten Auswertungsmechanismen der Filmbranche längst dafür gesorgt, daß man sich nicht mehr episch lange Zeit lassen darf, um die Bombastwerke anzusehen - oder wo läuft heute noch "Titanic"? Vor dreißig Jahren war das noch ganz anders: Omar Sharifs Leiden und Leidenschaften als Doktor Schiwago in den Wirren der russischen Revolution wollten kontinuierlich soviele Berliner(innen) sehen, daß der Streifen mehr als drei Jahre lang im Royal-Palast lief, gnädigerweise nur unterbrochen für die Vorstellungen der Filmfestspiele.

So ändern sich die Zeiten: Derart große Kinos werden heute - ebenfalls wegen der veränderten Auswertungsweise - gar nicht mehr gebaut, und die Berlinale findet demnächst in einem x-beliebigen Multiplex statt.Wer noch einmal in vergangene Kinozeiten entschwinden möchte, kann dies mit David Leans berühmtem Schinken - natürlich mit der noch berühmteren Musik von Maurice Jarre und mit der wundervollen Julie Christie - am Sonnabend und Montag im Babylon-Mitte tun.

Romantik und Abenteuer in einem ganz anderen Teil der Welt bietet das Notausgang bis Mittwoch mit Jenseits von Afrika, und wo wir schon einmal bei den großen Epen sind: An den gleichen Tagen läuft dort auch Luchino Viscontis Version vom Tod in Venedig, freilich unter den breit ausmalenden (und langdauernden) Filmen eine recht morbide Variante.

Großes und Kleines vereint auf klassische Weise Gullivers Reisen: Unter den mittlerweile zahlreichen Adaptionen der eigentlich mal satirisch gemeinten Geschichte Jonathan Swifts ist die 1939 entstandene Version eine der weniger bekannten: Dave und Max Fleisher, damals zwei Stars der Zeichentrickszene, verfertigten sie mit der für sie typischen Mischung aus Kitsch und skurrilen Ideen (Brotfabrik, bis Mittwoch).

Zu den von der breiten Öffentlichkeit Vergessenen des Animationsgenres zählen mittlerweile auch die Gebrüder Diehl: Nur noch als kleiner Comicstrip lebt ihr Igel Mecki in einer großen Rundfunkzeitschrift fort, als deren Maskottchen er in der Nachkriegszeit einige Popularität erlangte - bis hin zu umgangssprachlichen Ableitungen wie "Mecki-Schnitt" für eine Stoppelfrisur, die man heutzutage sicher mit irgendeinem Anglizismus belegt.

Das Arsenal zeigt morgen in seiner Reihe "FilmDokument" zwei frühe Arbeiten der Gebrüder Diehl: Ihre 1937 entstandene Adaption des Grimmschen Märchens "Die sieben Raben", die sich gestalterisch an die Zeichnungen Moritz von Schwinds anlehnt und als der erste abendfüllende deutsche Puppentrickfilm gilt; sowie die drei Jahre zuvor entstandene Nummernrevue "Miniatur-Kabaret", das Tonfilmdebut der Diehls.Eine Einführung zu dem Programm gibt wie immer der Experte Jeanpaul Goergen.

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