Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

Unkonventionell zu sein ist seit den verklärten sechziger Jahren fast schon zur Konvention geworden.Doch wenn etwa Nuditäten, Fäkalsprache und Goethe in SS-Uniform noch immer als Offenbarungen des Regietheaters bejubelt werden, warum sollte man dann an das Kino größere Forderungen nach Originalität stellen? Blicken wir also auf, nun ja, unkonventionelle Filmemacher: Der Berliner Michael Busch beispielsweise hat sich in früheren Jahren mit absurden Stummfilmen hervorgetan, die auch eine Hommage das deutsche Kino der zwanziger Jahre darstellen.Sein jüngstes Werk "Hyperbooks" ist dagegen ein mit Off-Kommentar, Toncollagen sowie meist wackligen und unscharfen Bildern arbeitender Science-Fiction-Film um die Gedankenmanipulation durch einen Medienkonzern, geistige und körperliche Selbsterkenntnis einer Konzernagentin und deren Beziehung mit einem unabhängigen Autor.Der Streifen erlebt am Dienstag und Mittwoch im Babylon-Mitte seine Berlin-Premiere, dazu laufen weitere Busch-Filme, die der Regisseur teils selbst auf dem Klavier begleitet.

Eine der unkonventionellsten Architektenfiguren des 20.Jahrhunderts war Frank Lloyd Wright, Pionier der Moderne und zugleich scharfer Kritiker ihres Hangs zum Schematismus.Mit seinen "Präriehäusern" verfolgte er als einer der ersten das Konzept des "organischen Bauens" und offener Grundrisse mit fließenden Raumfolgen, sein schraubenförmiger Turm wurde zum Markenzeichen des New Yorker Guggenheim-Museums, doch seine berühmte Villa "Falling Water" hätte Wright vielleicht doch besser an statt direkt in einen Wasserfall gebaut - inzwischen hat das nasse Element dem Haus ziemlich zugesetzt.Noch zu Lebzeiten des 1959 hochbetagt Gestorbenen wurde ihm mit The Fountainhead eine Art filmisches Denkmal gesetzt: Basierend auf einem damaligen Bestseller, schildert der von King Vidor inszenierte Streifen den Kampf eines visionären, an Wrights Person orientierten Architekten (Gary Cooper) gegen Schematismus, Kollektivismus - und nicht selten auch seine Auftraggeber.Eine Hymne auf die Durchsetzungskraft des Individuums mitten im sonst eher depressiven, düsteren Hollywood-Kino der späten vierziger Jahre, das sich freilich in manch psycholgischem Abgrund doch wieder Bahn bricht.Das Arsenal zeigt die filmische Rarität am Dienstag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar