Kultur : Delikatessen

JAN GYMPEL

"Als sparsamer Schwabe verschenke ich doch lieber einen billigen Orden statt eines teuren Kaffeeservices", soll Bundespräsident Heuss einmal auf die Frage geantwortet haben, warum denn die junge Republik unbedingt schon wieder Orden verteilen müsse.Schon lange bevor das Bundesverdienstkreuz nur noch dann Aufsehen erregte, wenn jemand es mal ablehnte, beschäftigte sich beispielsweise Rainer Erler mit dem dringenden Bedürfnis vieler Menschen, vom Staat mit einem Stückchen Metall gelobt zu werden: Orden für die Wunderkinder ist eine recht böse Satire, in der Carl Heinz Schroth einen alten Heiratsschwindler spielt, der auf ein lukrativeres Geschäft umgesattelt hat - die Verleihung von Ehrenzeichen.Der 1963 entstandene Film läuft am Dienstag in der Reihe mit Klassikern des deutschen Fernsehfilms, die im Kinosaal des Martin-Gropius-Baus die Ausstellung "Wege der Deutschen" ergänzt; sie zeigt insbesondere aus den fünfziger und sechziger Jahren lauter Beispiele für die damals anspruchsvolle und zeitkritische Fernsehproduktion, mit der die Sender einen Kontrast zum eher irrelevanten Angebot in den Kinos setzen wollten.Ein weiteres Frühwerk Erlers, der später mit Filmen wie "Fleisch" berühmt wurde, ist an gleicher Stelle bereits heute im Programm: Seelenwanderung, eine 1962 entstandene, ironische Paraphrase auf Mysterienspiele vom Reichtum durch Seelenverkauf, übertragen auf die Verhältnisse in der Wirtschaftswunder-Republik.Die Hauptrollen spielen Hanns Lothar und Wolfgang Reichmann.

Zu den größten Weltstars des Kinos zählte einst Mary Pickford: eine der ersten Aktricen überhaupt, mit der sich die Kassen zum Klingeln bringen ließen, Amerikas "Sweetheart" und Mitbegründerin von "United Artists".Das morgen im Filmmuseum Potsdam präsentierte Kurzfilmprogramm zeigt praktisch den Beginn gleich zweier Karrieren und eines wichtigen Abschnitts in der Entwicklung des Mediums Film: Die 1909-12 bei American Biograph entstandenen Werke verhalfen nicht nur dem damaligen Teenager Pickford zu Ruhm, sie sind auch jene Werke, in denen der Regisseur David Wark Griffith die seit der Erfindung des Kinos entwickelten filmsprachlichen Mittel zusammentrug; eine Arbeit, die wenige Jahre später in dem filmhistorischen Meilenstein "Birth of a Nation" kulminierte, der die Frühphase der neuen Kunst abschloß.Begleitet werden die Werke, die inhaltlich in fast archetypisch simpler Form verschiedenste Genres bedienen, im Filmmuseum Potsdam auf der Kinoorgel von Helmut Schulte.

Noch weiter in die Filmgeschichte zurück, um nicht zu sagen in deren Anfänge, geht morgen im Arsenal Martin Loiperdinger: In seinem neuen Buch Film & Schokolade untersucht er die Verbreitung des Kinematographen der Gebrüder Lumière, die als die eigentlichen Väter des gut hundert Jahre alten Mediums Kino gelten, in Deutschland durch die Schokoladenfirma Stollwerck.Im Rahmen eines Diavortrags stellt er die Schrift vor, außerdem laufen Filme von und über die Lumières.

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