Kultur : Dem Himmel entgegen

Jürgen Tietz

Die Konkurrenz unter deutschen Architekturzeitschriften ist groß. Um im Wettbewerb um Lesergunst mitzuhalten, bedarf es daher eines geschärften Profils und eines angemessenen Outfits. Mit einem gelungenen Relaunch präsentiert sich jetzt die "bauzeitung" unter ihrem neuen Chefredakteur, dem langjährigen Tagesspiegelmitarbeiter Falk Jaeger. Nicht nur das ansprechendere Cover in sandigem Beige fällt ins Auge, auch im Heft wurde aufgeräumt. Das Layout zeigt sich ruhiger als früher, die neue Schrifttype ist angenehmer zu lesen und die Abbildungsqualität wurde verbessert. Auch inhaltlich setzt Jaeger neue Akzente. Zwar liegt der Schwerpunkt noch immer auf Baupraxis und Baurecht. Doch auch die Architekturkritik findet jetzt mehr Platz.

Entsprechend dem Themenschwerpunkt "Hochhäuser" hat sich Jaeger für die erste Ausgabe der Zeitschrift im neuen Gewand in gewohnt souveräner Manier der "Main Plaza" angenommen, jenes exklusiven Frankfurter Wohnhochhauses aus der Hand von Hans Kollhoff, das im eklektizistischen Klinkergewand eines amerikanischen skyscrapers der Zwanziger Jahre daher kommt. Eine ganz andere, gläserne Hochhausarchitektur präsentiert dagegen das Projekt "Uptown München" der Düsseldorfer Christoph Ingenhoven und Jürgen Overdiek. Das 146 Meter hohe Haus soll 2004 fertiggestellt werden. Abgerundet wird der Hochhaus-Rundblick durch kritische Beiträge von Bruno Flierl zur Berliner Hochhausdebatte und zum KölnTurm (148 m) im Media Park der Rheinmetropole von Jean Nouvel (Christoph Bodenbach). Dafür, dass die Denkmalpflege nicht zu kurz kommt, sorgt ein Blick auf die Sanierung des Mannesmannhochhauses, das Paul Schneider-Esleben 1956/58 in Düsseldorf verwirklicht hat. Insgesamt also eine inhaltlich und optisch erfreuliche Frischzellenkur für die "bauzeitung".

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