Kultur : Demut kommt nach dem Fall

Steffen Richter

über Gefahren, die aus dem Osten drohen Eigentlich fühlt sich Andrzej Stasiuk in seinem Bergdorf Czarne in den Beskiden am wohlsten. Dort kann er Holz hacken und seine atemberaubenden Bücher schreiben. Wenn Stasiuk aber in Deutschland ist, macht er sich gern einen Spaß daraus, uns ein bisschen zu erschrecken. Dann spricht er „von den Gefahren, die aus dem Osten kommen“, von den 265 Millionen Menschen, die mit der europäischen Osterweiterung „hier einfallen werden“. Dem Westen die Leviten lesen und ihm zugleich seine Projektionen vom ursprünglichen, wilden Osten um die Ohren schlagen – darin sind der Pole Stasiuk und sein Freund Juri Andruchowytsch aus der Ukraine unübertroffen. Beide zählen zu den Klassikern des literarischen Osteuropa. Ihr gemeinsam verfasster Reisebericht „Mein Europa“ gilt als Grundtext des osteuropäischen Beitrittsgebiets. Und gerade hat Andruchowytsch in seinem Roman „Zwölf Ringe“ (Suhrkamp) einen österreichischen Fotografen durch die Wirren der postkommunistischen Ukraine geschickt. Nun kann man das osteuropäische Star-Duo am 23.4. im Roten Salon der Volksbühne (21 Uhr) erleben. Langweilig wird das nicht.

Den Westen, den Stasiuk und Andruchowytsch meinen, beschreibt derzeit wohl keiner präziser als Hans Pleschinski in „Leichtes Licht“ (C.H. Beck). Seiner Hamburger Sozialarbeiterin Christine Perlacher geht es im Grunde Gold. Dennoch nagt das Unbehagen. Also fliegt sie zu ihrer Traumbucht nach Teneriffa – um dort das Nichts zu suchen. Dabei geht es Pleschinski, der am 21.4. (20 Uhr) im Literaturhaus liest, gewiss nicht um das Ende allen Wünschens und Wollens. Wohl aber darum, dass hinter den zuweilen abstoßenden Glitzerfassaden unserer Konsum- und Spaßgesellschaft eine ganze Menge Glück möglich ist. Und vielleicht auch um ein wenig Demut.

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