DENKEN : Anklopfen, bitte nicht eintreten!

von

Für den Philosophen Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins – und den Menschen, der dahintersteht.

Was kann ich wissen?

Pech gehabt, geschätzter Bob Dylan: Die berühmte Songzeile „Ah, but I was so much older then, / I’m younger than that now“, zeigt nur, wie alt man tatsächlich geworden ist. Zumindest wenn man der Erkenntnis des französischen Schriftstellers Jules Renard folgt: „Das Alter – das ist, wenn man beginnt zu sagen: Ich habe mich nie so jung gefühlt!“ Allerdings ist es auch eine echte Crux: Unser Leben wird immer länger, aber um den Preis, dass Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz zunehmen. Doch haben wir eigentlich einen würdigen Umgang mit dem Alter – oder genauer: mit den Alten?

Was soll ich tun?

Das Literaturfestival Berlin widmet sich im Programmpunkt „Weltweisheit“ den „Kulturen des Alterns“ und bringt hier nicht nur viel – und das heißt: noch mehr – internationale Literatur in die Stadt, sondern bringt diese in einen Dialog mit der Wissenschaft. So diskutieren am Donnerstag der Autor Péter Farkas und die Altersforscherin Sonja Ehret zum Thema Stärken und Kräfte des Alters (18 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24). Farkas hat einen Roman geschrieben, der zunächst ganz und gar nicht nach Stärke und Kraft klingt. In „Acht Minuten“ imaginiert er, wie die Welt aus der Sicht von Demenzkranken aussieht: Dauernd schauen fremde Leute herein, nennen einen Papa und wollen sich kümmern. Die an der Universität Heidelberg lehrende Ehret wiederum forscht in den Bereichen Humanistische und Philosophische Gerontologie, sie bietet Seminare zum Thema „Seelische und geistige Dynamik des alternden Menschen“ an. Vorab liest Farkas am Mittwoch um 10 Uhr aus seinem Roman (Bezirkszentralbibliothek Marzahn-Hellersdorf, Marzahner Promenade 52–54).

Was darf ich hoffen?

Dass die Unkulturen des Alterns spätestens dann vorbei sind, wenn man selbst alt ist. Aber bloß keine Panik, denn schließlich haben wir uns noch nie so jung gefühlt wie heute. Oder?

Was ist der Mensch?

Jemand, der immer älter wird, dies aber nicht wahrhaben will. Goethe präzisierte das Problem und seine Folgen in seinem Gedicht „Das Alter“ schon 1814: „Das Alter ist ein höflich Mann: / Einmal übers andere klopft er an; / Aber nun sagt niemand: Herein! / Und vor der Türe will er nicht sein. / Da klinkt er auf, tritt ein so schnell, / Und nun heißts, er sei ein grober Gesell.“ Elke Brüns

0 Kommentare

Neuester Kommentar