DENKEN : Das Geheimnis der Zukunft wahren

von

Für den Philosophen Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins – und den Menschen, der dahintersteht.

Was kann ich wissen?

Im Museum für Kommunikation läuft zurzeit die Ausstellung „Tempo Tempo! Im Wettlauf mit der Zeit“. Es geht um das Phänomen der Beschleunigung und den Wunsch, diesem etwas entgegenzusetzen. Zurecht fragt die Ausstellung, warum wir immer weniger Zeit haben, obwohl wir doch rein rechnerisch betrachtet mehr Freizeit haben müssten. Um dies zu beantworten, geht sie den Veränderungen des Zeitverständnisses seit der Frühen Neuzeit nach. Wir in dieser Kolumne fragen uns zum Beispiel auch: Was bringt das ganze Dauergehetze? Denn kann man Zeit wirklich sparen, wie die unzähligen Ratgeber zum Zeitmanagement behaupten? Falls ja, wüssten wir gerne, welche Bank die höchste Verzinsung für dieses Sparguthaben bietet. Schon gut, zurück zum Ernst der Sache und zur Ausstellung: Interessant ist doch, wer eigentlich die kleinen Zeittyrannen sind, die im Alltag ständig auf die Tube drücken und für Beschleunigung sorgen: Uhren gehören dazu, aber auch das Smartphone und sogar der eigentlich unverdächtige Reißverschluss. Und natürlich: wir selber. Noch der Hinweis: Bitte beeilen Sie sich, die Ausstellung läuft nur noch bis zum 1. September!

Was soll ich tun?

Am Dienstag – gemächlich! – ins Museum für Kommunikation schlendern, wo Stefan Willer im Rahmen der Ausstellung um 18.30 Uhr den Vortrag: „Zurück in die Zukunft, vorwärts in die Vergangenheit. Zeitreisen in Literatur und Film“ hält. Willer, Wissenschaftler am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, formuliert eine spannende Ausgangsfrage und ebensolche Hypothesen: „Würden Sie lieber in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen? Filme und Romane über Zeitreisen geben wertvolle Hinweise, mahnen aber auch zur Vorsicht: Wer einmal die Zukunft gesehen hat, für den verliert sie ihre hoffnungsvolle Offenheit; wer aus Versehen in die Vergangenheit eingreift, erkennt am Ende die eigene Gegenwart nicht wieder.“ (Leipziger Str. 16)

Was darf ich hoffen?

Dass Bücher zum Zeitmanagement überflüssig werden. Denn man spart irre viel Zeit, wenn man die nicht mehr liest. Und schon hat man Muße für imaginäre Zeitreisen – die kann man mit jedem guten Buch oder Kinofilm unternehmen.

Was ist der Mensch?

Nicht nur dauerbeschleunigt, sondern auch trödelig, saumselig, verträumt, ineffizient, planlos, zögernd, langwierig, betulich, bedächtig, sachte, stockend und zaudernd. Mehr fällt uns jetzt auf die Schnelle leider nicht ein. Elke Brüns

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben