DENKEN : Die Katze an der Milchschüssel

Für den Philosophen Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins - und den Menschen, der dahinter steht.

Was kann ich wissen?

Von 2009 bis 2011 fand in Schöneberg die Veranstaltungsreihe „eat my pussy“ statt. In der Anthologie „Ragufeng“, berlinerisch für „Ragout fin“, ist dieses Kapitel Berliner Salongeschichte versammelt. Die Nachfolgeinstitution, der Kultursalon Madame Schoscha, verfolgt einen ähnlich charmanten Ansatz: Die Veranstalter Kathrin Schadt und Christian Ingenlath setzen ein Thema fest und laden Künstler aller Couleur ein. Es wird gesungen, gelesen, gespielt und „geheimnisvoll gekrämert.“ Für Schadt und Ingenlath ist der Abend dann gelungen, wenn daraus ein Gesamteindruck entsteht – und zwar „wie ein Kätzchen zur Milchschüssel schleicht.“ Schönes Bild, wenn auch leicht kryptisch.

Was soll ich tun?

Mich fragen, ob ich nicht schon länger den Themenkreis „beziehungs weise“ (jawohl, zwei Worte!) beackern wollte, um die Frage zu beantworten, „ob man hinterher schlauer ist“. Sollte ich hier Erkenntnisbedarf haben (und wer hat den nicht?), begebe ich mich am Dienstag (25.6.) ins Theater O-TonArt. Die geladenen Künstler sind diesmal Katharina Franck, Kater Lezmann und Piet, die eine szenische Lesung präsentieren, die Theatergruppe aqui, der Musiker Franky Fuzz, der Filmemacher Jon Goldman und die Autorin Johanna Hansen (19.30 Uhr, Kulmer Str. 20a, Tickets unter 37 44 78 12).

Was darf ich hoffen?

Dass ein Kätzchen zur Milchschüssel schleicht.

Was ist der Mensch?

Handfestes können wir zu Kathrin Schadt und Christian Ingenlath vermelden: Sie studierte Philosophie, Lateinamerikanistik und Komparatistik in Berlin, ging dann an das Deutsche Literaturinstitut Leipzig, jetzt lebt sie in Barcelona. Er blickt „auf eine langjährige Wasserballkarriere und ein weniger erfolgreiches Jurastudium zurück“ und arbeitet für eine Visumagentur. Und wer ist die geheimnisvolle Madame Schoscha? Schauen Sie mal in Thomas Manns „Zauberberg“ nach und suchen Sie nach ähnlich klingenden Namen! Hier lautet die Frage allerdings: Was ist das Tier?

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