DENKEN : Die Zukunft zeigt sich in Büchern

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Für den Philosophen Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins - und dem Menschen, der dahinter steht.

Was kann ich wissen?

Wenn es um die Zukunft geht, streng genommen: nichts. Denn die Zukunft ist ja noch nicht eingetreten und mithin kann alles immer noch anders werden als..., ja, als was? Als vorgestellt? Als prognostiziert? Zwar ist die Zukunft unbekannt, aber sie spielt doch permanent in die Gegenwart hinein: Ständig machen wir Projekte und Pläne, lassen uns von Zukunftsträumen und -sorgen leiten. Da wüsste man gern mehr. Doch wer könnte Auskunft geben: Statistiken? Die Futurologie? Der Blick in die Kristallkugel? Nein. Es ist die Literatur: „Schreiben, was kommt. Zukünfte in der Gegenwartsliteratur“ lautet deshalb das Thema der diesjährigen Literaturtage des Zentrums für Literaturforschung (ZfL). Natürlich können auch Autoren keine zukünftigen Gegenwarten voraussehen, aber die Literatur kann „die Aufmerksamkeit für die jeweils gegenwärtige sprachliche Verfasstheit von Zukünften“ schärfen.

Was soll ich tun?

Schon mal vorplanen. Am Freitag ab 14 Uhr 15 lesen Angelika Meier, Benjamin Stein, Dietmar Dath und Monika Rinck. Um 20 Uhr widmen sich Daniel Illger und Hermann Kappelhoff den „Zukünften im Film“. Samstag geht es dann um 13 Uhr 30 weiter mit dem Vortrag „Futurologien. Zur literarischen Prognostik“ von Benjamin Bühler und Stefan Willer, danach folgen Lesungen von Jenny Erpenbeck, Alban Nikolai Herbst, Marion Poschmann und Georg Klein (Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23)

Was darf ich hoffen?

Dass es um die Zukunft künftig wieder besser bestellt ist.

Was ist der Mensch?

Hoffentlich von früh an eine begeisterte Leserin, ein enthusiastischer Leser. Denn: „Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen.“ Sagt die große Autorin Astrid Lindgren. Den Beweis lieferte jüngst SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, als sie die Debattenkultur im Bundestag illustrieren wollte. Sie trällerte den Song „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“ – er stammt aus Kinderbuchklassiker „Pippi Langstrumpf“. Elke Brüns

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