DENKEN : Frühlings Erschrecken

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Für Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins – und den Menschen, der dahintersteht.

Was kann ich wissen?

Revolutionen setzen fast immer ein zentrales Bild in Szene: Das Volk erhebt sich, es geht auf die Barrikaden. Auch die ägyptische Revolution folgte 2011 dieser Tradition, und so wurde der Tahrirplatz im Zentrum Kairos zum schönen Symbol des arabischen Aufstandes – der Ort, an dem sich die Metapher vom arabischen Frühling eindrücklich materialisierte und lokalisierte. Mittlerweile spricht man sogar vom „Modell Tahrir“, da die Verbindung von Aufstand und andauernder Besetzung zum Vorbild vieler Protestbewegungen wurde. Doch die Arabellion, die Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien, Bahrain und andere Länder erfasste, zeigt sich aktuell zumeist nur noch in Schreckensbildern: In Syrien tobt ein blutiger Bürgerkrieg, in Ägypten bereitet er sich vor.

Was soll ich tun?

Am Mittwoch, 19.30 Uhr, begebe ich mich in die Kalkscheune (Johannisstr. 2). Dort liest der ARD-Auslandskorrespondent Jörg Armbruster aus seinem Buch „Der arabische Frühling – Als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern“ und diskutiert mit dem einstigen baden-württembergischen Wirtschaftsminister Dieter Spöri über die Situation in den arabischen Ländern (Achtung! Wer vorab Karten kaufen möchte: Die gibt es nur bei Lehmanns Media in der Friedrichstr. 128).

Was darf ich hoffen?

Dass Armbruster recht hat und die islamische Jugend weiterhin das ist, was er in ihr sieht: „Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft“ .

Was ist der Mensch?

Jörg Armbruster, Korrespondent für den Nahen und Mittleren Osten und früherer Moderator des ARD-„Weltspiegels“, ist ein Urgestein der Auslandsberichterstattung. Dabei geriet er zwischen die Fronten und erlebte historische Momente: Während einer Liveschaltung der „Tagesschau“ am 11. Februar 2011 trat der ägyptische Präsident Husni Mubarak zurück: Armbruster und sein Kamerateam standen auf einem Balkon, die Kamera schwenkte in die Menge und Armbruster kommentierte die Jubelschreie. Im März 2013 wurde er während der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Zwischen Krieg und Frieden – Der neue Nahe Osten“ im nordsyrischen Aleppo angeschossen und nach einer Notoperation in die Türkei gebracht. Wie im Tagesspiegel zu lesen war, hat er seiner Frau versprochen, nicht wieder nach Syrien zu gehen. Aber in den Libanon und nach Ägypten, Qatar, Israel und Jordanien wird er wohl fahren – der Film muss schließlich fertig werden! Elke Brüns

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