DENKEN : Netzwerker zu Netzbetreibern

Für den Philosophen Immanuel Kant gab es vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf besonders empfehlenswerte Veranstaltungen im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins - und den Menschen, der dahinter steht.

Was kann ich wissen?

Was haben der Kabarettist Marc-Uwe Kling und sein kommunistisches Känguru mit Bundesumweltminister Peter Altmaier gemeinsam? Alle drei sind „Netzkauf-Genossen“, d.h. Mitglieder bei Bürger-Energie Berlin, einer Vereinigung, die sich den kollektiven Erwerb des Berliner Stromnetzes zum Ziel gesetzt hat. Und was bitte hat das mit der „Kolonialisierung des Nachtlebens“ zu tun, die manche Personen heftig befürchten? In beiden Fällen geht es darum, wie sich die Stadt entwickelt oder, um einen bekannten Slogan zu zitieren: Wem gehört die Stadt? Sehr handfest und konkret stellt sich die Frage nach Daseinsvorsorge, Infrastruktur und Gemeingütern bei Strom und Wasser, aber auch die (Frei-)Räume, die eine Stadt bietet, tragen dazu bei, dass eine Stadt zwar arm, aber eben auch ungeheuer attraktiv sein kann. Berlin jedenfalls boomt touristisch und ist zur Hauptstadt des „Easyjetsets“ (Tobias Rapp) geworden. Wenn damit zunehmend Verwertungsinteressen die Freiräume bestimmen, was wird dann aus dem kreativen Sich-Ausprobieren, das die Stadt ihren Bewohnern so lange ermöglicht hat?

Was soll ich tun?

Dienstag besuche ich um 19 Uhr den von Claudia Wahjudi moderierten Talk, in dem Daniel Pflumm, Jan Kage und Tobias Rapp über städtische Freiräume seit den Neunzigern sprechen. Dazu blättere ich in Wahjudis Neunziger-Szene-Rekonstruktionsbuch „Metroloops“ und lasse die damaligen Bohémiens und ihre Netzwerke Revue passieren (Künstlerhaus Kreuzberg, Mariannenplatz 2). Am Freitag höre ich um 18.15 Uhr den Vortrag Energienetze in Bürgerhand der bei Bürger-Energie Berlin engagierten Politologin Arwen Colell im Effizienzhaus Plus, Fasanenstraße 87a.

Was darf ich hoffen?

Dass Berlin nicht zum Ballermann wird und dass aus Netzwerkern Netzbetreiber werden.

Was ist der Mensch?

Als Aristoteles den Menschen als ein in Gemeinschaften lebendes Tier definierte, dachte er zwar weder an Stromversorgung noch an die Party Animals, die heute Berlin bevölkern. Sicherlich wäre er aber damit einverstanden, dass den Bürgern die Stadt gehört. Elke Brüns

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