DENKEN : Vermutlich der Ursprung der Kunst

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Für den Philosophen Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins – und den Menschen, der dahintersteht.

Was kann ich wissen?

Zum Tod? Gar nichts. In dieser Erkenntnis treffen sich der gesunde Menschenverstand und die Erkenntnisse fast aller Philosophen, Denker und Gelehrten: Der Tod ist unbegreiflich. Jean Paul Sartre nannte ihn sogar ein „von außen kommendes Ereignis“, das eigentlich nichts mit uns zu tun habe. Tiefere Einsicht oder Pfeifen im Walde? Wie dem auch sei, es war jedenfalls der Psychoanalytiker Sigmund Freud, der dem düsteren Thema doch noch eine lustige Volte verlieh: Zwar sei der Mensch das einzige Wesen, das wisse, dass es sterblich sei. Aber gerade weil der Tod unfassbar sei, sei der Mensch unbewusst von der eigenen Unsterblichkeit überzeugt. Auf dieser Grundlage lauschen wir gelassen Adolf Muschgs Vortrag „Ein Versuch, den Tod zur Sprache zu bringen“. Den gedanklichen Ausgangspunkt fasst der Schweizer Schriftsteller so zusammen: „Ich versuche etwas in Worte zu fassen, was ich ‚naturgemäß’ (noch) nicht erlebt habe, das ebenso naturgemäß kein Fall für Sprache ist – und doch um-schreibt sie, anthropologisch betrachtet, ein Schwarzes Loch, in dem man auch einen Ursprung von Kunst überhaupt vermuten kann.“

Was soll ich tun?

Immer schön auf das Unbewusste hören und fest daran glauben, dass die eigene Unsterblichkeit zumindest noch bis zum Donnerstagabend dauert. Flott kleiden, denn der Vortrag findet an der Universität der Künste statt (18 Uhr, Hardenbergstr. 33, Alte Bibliothek).

Was darf ich hoffen?

Dass Gevatter Tod wortmächtig zur Sprache kommen möge, aber das schweigende Unbewusste am längeren Hebel sitzt.

Was ist der Mensch?

Der 1934 geborene Adolf Muschg zählt zu den berühmtesten Schweizer Autoren. In seinem Leben verbinden sich große literarische Produktivität und ebenso große Gelehrsamkeit: Außer auf sein weitgespanntes Werk, für das er unter anderem mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet wurde, kann er auf Promotion, Lehrer- sowie Dozententätigkeit an verschiedenen Universitäten und eine Professur für Deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich zurückblicken. Von 2003 bis 2006 fungierte er auch als Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Von Muschg stammt die Behauptung: „In der Schweiz ist übrigens alles schöner und besser.“ Ob das auch für den Tod gilt, muss sich naturgemäß noch zeigen. Elke Brüns

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