DENKEN : Wilder Ritt mit Schiller

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Für den Philosophen Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins – und den Menschen, der dahinter steht.

Was kann ich wissen?

Es geht um Schiller. Und um Demokratie. Um das Internet. Um die Freiheit. Und um den Individualismus geht’s natürlich auch. Man hat sich viel vorgenommen mit der Veranstaltung „Freiheit oder wir schießen“, die am Mittwoch um 20 Uhr im Deutschen Theater stattfindet. Wie hängt das nun alles zusammen? Ungefähr so: Das Motto der Spielzeit lautet „Demokratie und Krieg“, man hat Schillers „Jungfrau von Orleans“ und die Dramenkombi „Demetrius/Hieron. Vollkommene Welt“ von Schiller/Salazar auf die Bühne gebracht. Nun folgt die Show über Schiller, Demokratie und Digitalisierung, die den Bogen von Schillers Dramen zu aktuellen Problemen schlagen will, denn – so Gastgeber Tobi Müller – es gibt Ähnlichkeiten. Schiller verhandele das Verhältnis von Individuum und Masse, auch angesichts der digitalen Revolution stelle sich die Frage nach der Freiheit des Einzelnen und der Verpflichtung des Staates. Es diskutieren der Soziologe Harald Welzer, die Schriftstellerin Kathrin Passig und der Dramatiker Mario Salazar. Damit es kein „germanistischer Abend“ wird, setzt Müller auf ShowElemente aus dem World Wide Web.

Was soll ich tun?

Tapfer sein. Schiller lesen.

Was darf ich hoffen?

Dass der von Müller versprochene „wilde Ritt von Schiller bis heute“ sich nicht im weitläufigen Themengelände vergaloppiert, im Diskursgestrüpp verheddert oder in Weitschweifigkeitsfallen versinkt. Was ist der Mensch?

Von Schiller stammt die berühmte Definition, der Mensch sei „nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Spielen Sie mit am Mittwoch und bringen Sie das Stichwort „Spiel“ in einer Publikumsfrage unter! Wie das nun wieder mit Demokratie, Staat, Internet und so weiter zusammenhängen soll? Keine Ahnung. Lassen Sie es die anderen rausfinden – oder schnuppern Sie an einem gammeligen Apfel, diese leicht angefaulten Dinger haben ja zumindest auf unseren verehrten Dichter enorm inspirierend gewirkt. Elke Brüns

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