DENKEN : Zuviel ist zuviel

von

Für Immanuel Kant gab es genau vier Fragen, die sich ernsthaft denkende Menschen stellen müssen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und: Was ist der Mensch? Wir beantworten sie, nicht immer ganz ernst gemeint, mit dem Hinweis auf eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung im Vortrags-, Lesungs- und Debattendickicht Berlins – und den Menschen, der dahintersteht.

Was kann ich wissen?

Schön oder schrecklich: Wäre die Erde ohne uns besser dran? Wie es aussähe, wenn alle Menschen verschwänden, hat der amerikanische Wissenschaftsjournalist Alan Weisman schon in seinem Buch „Die Welt ohne uns“ dargelegt. Dafür hat er sich mit Experten über die ökologischen Konsequenzen einer entvölkerten Welt unterhalten. Nun legt er nach: „Countdown. Hat die Erde eine Zukunft?“ heißt das neue Werk und signalisiert, dass Weisman von Trödeln nicht viel hält. Über 20 Länder hat er bereist und erneut mit Experten gesprochen. Seine Reportagen zeigen, wie sich Ökologie und Politik verschränken – exemplarisch in Krisen- und Kriegsgebieten. Da in Ökosystemen alles mit allem zusammenhängt, zeitigen lokale Ereignisse oft globale Auswirkungen. Was tun? Weismans Befund: Wir sind zu viele. Die Erde hat nicht genug Ressourcen für die wachsende Weltbevölkerung. Nur wenn wir weniger werden, könnten wir Klimawandel und Umweltzerstörung noch in den Griff kriegen. Liegt das Problem nicht vielmehr darin, dass die Ressourcen ungleich verteilt sind? Ja, gibt Weisman zu, da sich das Konsumverhalten der Einzelnen aber nur schwer ändern lasse, sei das Bremsen der Bevölkerungsentwicklung effizienter. Malthus revisited?

Was soll ich tun?

Am Dienstag Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, unterwegs keinen Coffee-to-go-Müll produzieren und um 20 Uhr zur Buchpräsentation in der Backfabrik (Saarbrücker Str. 36a) einlaufen, wo Alan Weisman mit Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung spricht. Moderieren und aus dem Englischen übersetzen wird Gerald Traufetter vom „Spiegel“.

Was darf ich hoffen?

Dass die Lage komplexer oder auch einfacher ist – jedenfalls nicht so apokalyptisch. Denn:

Was ist der Mensch?

Ein erfinderisches Wesen. Vielleicht müssen wir dann doch nicht weniger, sondern nur anders werden. Elke Brüns

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben