Kultur : Denkmal-Pflege: Wenn Mars und Minerva um den König trauern

Helmut Caspar

Wenn Preußens Könige ihren Feldmarschällen und Ministern besonders dankbar waren, verschenkten sie Rittergüter und brillantbesetzte Tabaksdosen oder verliehen hohe Orden. Reich bedacht wurde Karl August von Hardenberg, einer der Köpfe der Stein-Hardenbergschen Reformen. Der in den Rang eines Fürsten erhobene Staatskanzler wurde 1815 mit dem Rittergut Quilitz "begnadet", worauf es in Neuhardenberg umbenannt wurde. Die Erinnerung an den Fürsten passte den Kommunisten nach 1945 nicht, und so hieß das Dorf zwischen 1949 und 1991 Marxwalde, eine Reverenz an Karl Marx, der allerdings nie dort weilte.

Bereits in den achtziger Jahren begann die DDR-Denkmalpflege, das von Karl Friedrich Schinkel für den Fürsten Hardenberg klassizistisch umgestaltete Schloss zu restaurieren. Auch der Park, mit dem Soldaten eines nahe gelegenen Jagdgeschwaders ruppig umgegangen waren, wurde langsam entrümpelt. Richtigen Schwung bekamen die Arbeiten erst nach der Wiedervereinigung, als die Familie von Hardenberg ihren bereits Ende der NS-Diktatur enteigneten Besitz zurück erhielt. Doch da die Hardenbergs die hohen Unterhalts- und Sanierungskosten nicht aufbringen konnten, verkauften sie das weitgehend im Originalzustand von 1820 erhaltene Schloss an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Bonn und Berlin, der nun die denkmalpflegerischen Arbeiten zügig vorantreibt.

Am 22. September ist Tag der offenen Tür. Dann kann man sich von den Ergebnissen dieser Mühen um das Schloss überzeugen, das künftig als Museum, Bildungsstätte und Gedenkort für die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 genutzt werden soll, zu denen auch ein Nachfahre jenes Staatskanzlers, Graf Carl Hans von Hardenberg, gehörte.

Zu den aktuellen Arbeiten gehören die Restaurierung des 5 Meter 20 hohen Denkmals für Friedrich den Großen aus dem von Peter Joseph Lenné gestalteten Neuhardenberger Schlosspark und die Schaffung der von Adlern flankierten Wappentafel des Fürsten Hardenberg nach alten Fotos, bestimmt für den Giebel des Schlosses. Beides geschieht in einer Restaurierungswerkstatt im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Steinrestaurator Torsten Weiß hat schon das 1790 von Giuseppe Martini vermutlich nach einem Entwurf von Johann Wilhelm Meil geschaffene und 1792 im Schlosspark aufgestellte Denkmal gereinigt und fehlende Details wie Nasen, Finger, eine Schwertspitze, ein Fuß und Gewandfalten ergänzt. "Das Denkmal wurde bereits um 1989 restauriert, doch zeigte sich jetzt, dass der Marmor von Rissen durchzogen ist, die vorsichtig mit einem Acrylmörtel geschlossen werden", sagt der 38-Jährige. Die Säuberung des von schwarzen Schlieren und Moos überzogenen Marmors erfolge mit einem Mikrodampfstrahler, der unter leichtem Bürsten auch feinste Ablagerungen beseitigt. Ob die Figurengruppe einen Antigraffiti-Überzug bekommt, werde noch geprüft. In Neuhardenberg müsse noch die Inschrift "FRIEDRICH DEM GROSSEN DER GEN. VON PRITTWITZ IM IAHRE 1792" in den zwei Meter hohen Marmorsockel eingefügt werden. Vandalen hatten die Bronzebuchstaben gestohlen. Zum Glück überliefern alte Fotos den Wortlaut.

Solche Vorlagen eignen sich auch gut für die Neugestaltung des fürstlichen Wappenschmucks, den Bildhauer Robert Lauenhardt gerade fertigt. Von dem Tonmodell wird eine Negativform geschaffen, von der in Lauchhammer ein Bronzeabguss hergestellt.

Das Neuhardenberger Friedrich-Denkmal war von General Johann Bernhard von Prittwitz, einem Veteranen des Siebenjährigen Krieges, sechs Jahre nach dem Tod des Königs aufgestellt worden. Dies geschah aus Dankbarkeit gegenüber dem König, den Prittwitz in der Schlacht von Kunersdorf aus Lebensgefahr gerettet hatte, worauf sich der Alte Fritz 1763 mit der Übertragung des Gutes Quilitz an seinen Retter revanchierte. Fontane ist dem in den "Wanderungen in der Mark Brandenburg" liebevoll nachgegangen. Der Kriegsgott Mars und die Göttin der Künste und Wissenschaft, Minerva, trauern an einer Säule mit dem Reliefbildnis des teuren Toten. Auf dieser Säule steht eine Urne als Zeichen der Vergänglichkeit.

Da Friedrich II. zu Lebzeiten kein ihm gewidmetes Denkmal duldete, wurden erst nach seinem Tod 1786 solche "Bildsäulen" errichtet. Der Neuhardenberger Fridericus ist das erste seiner Art. Erst 1793 wurde in Stettin Schadows Friedrich-Denkmal aufgestellt, von dem eine Marmorkopie in der Kleinen Kuppelhalle des Bodemuseums und ein Bronzeabguss im Charlottenburger Schlossgarten stehen.

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