Denseland : Die Ohren sind immer wach

Das Berliner Trio Denseland macht düster-minimalistische Großstadtmusik. Jetzt stellet es sein zweites Album „Like Likes Like“ vor. Ein erhellendes Treffen.

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Kluge Klangkörper. Hanno Leichtmann, Hannes Strobl und David Moss sind seit fünf Jahren Denseland.
Kluge Klangkörper. Hanno Leichtmann, Hannes Strobl und David Moss sind seit fünf Jahren Denseland.Foto: Michael Tewes/Promo

Anfang des Jahres sah es nicht gut aus für Hanno Leichtmann, Hannes Strobl, David Moss und ihr gemeinsames Bandprojekt Denseland: Sie sollten ihr Studio, das gleichzeitig als Übungsraum dient, verlieren. Ein heller, luftiger Raum in einem ehemaligen Umspannwerk im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen. Aufregung, Kündigung, große Katastrophe. Aber, wie das manchmal so ist, eine inspirierende Katastrophe: Vor dem Auszug sollte noch eine neue Platte eingespielt werden.

Monate später hat sich dann alles entspannt. Das Haus hat einen neuen Besitzer, mit dem man sich gut versteht, der Mietvertrag wurde verlängert und zwar gleich um 20 Jahre. „Das reicht“, sagt Bassist und Klangkünstler Hannes Strobl. Die neue Platte haben Denseland trotzdem zügig und konzentriert aufgenommen. „Like Likes Like“ heißt sie – eine Art Wortspiel, frei zu übersetzen mit „Gleich und Gleich gesellt sich gern“, aber auch ein Kommentar zur „Like“-Kultur der Generation Facebook.

Trotzdem hören sich die acht Stücke auf diesem Album keineswegs gesellig an – im Gegenteil. Schlagzeuger Leichtmann und Bassist Strobl bauen ihrem Vokalkünstler Moss eine harte musikalische Start- und Landebahn, auf der er in alle Richtungen abheben kann. Sein Ziel: immer dorthin, wo es wehtut. Er braucht dafür die langsame und minimale, aber knackige, rhythmuszentrierte Musik seiner Kollegen. In den Freiraum, den sie für ihn lassen, kann die Stimme eindringen und sich austoben: Der US-Amerikaner Moss gibt den düsteren Lyriker, klagend, beschwörend, jaulend, flüsternd, quietschend, erzählend liefert er Geschichten ab, bei denen man nie sicher sein kann, um was es eigentlich geht. „What’s the skin today?“, fragt er in einem Song, im nächsten heißt es „eyeball, nose, hair ... you can’t really touch it“. In einem anderen begegnen einem „time machine, galaxy, an empty space“. Drogenfantasien? Träume? Science-Fiction-Szenarien? „Meine Geschichten sind biografisch, sie sind persönlich. Man soll sich fragen, was die Beziehung ist zwischen diesen seltsamen amerikanischen Worten und diesem Groove“, sagt Moss in einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Im Endeffekt gehe es in allen Songs um die Frage, wo er selbst stehe, wie er sich fühle und vor allem wo sein Zuhause sei. Berlin vielleicht? Ja, Berlin, hier wohne er schließlich seit 20 Jahren: „In der Berliner U-Bahn höre ich acht verschiedene Sprachen, das fließt in meinen Gesang ein. Nicht, dass ich in verschiedenen Sprachen singe, aber ich singe immer unterschiedlich!“

Der 64-jährige Moss und die beiden Mittvierziger Leichtmann und Ströbl sind keine Unbekannten, zumindest nicht in der Szene, die zwischen experimentellen elektronischen Klängen, Improvisation, krautigen Sounds und Jazzeinflüssen frei hin- und herpendelt. Leichtmann etwa kennt man aus Formationen wie Groupshow und dem Vulva String Quartett. Gemeinsam mit Strobl hat Leichtmann als Paloma Techno mit akustischen Instrumenten gespielt. Und Moss ist seit den Siebzigern in der Improvisationsszene unterwegs, auf der Theaterbühne oder in Bands.

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