Denunziation : Milan Kundera soll Geheimpolizei zugearbeitet haben

Schwere Vorwürfe gegen den tschechischen Literatur-Star Milan Kundera: Nachforschungen eines Historikers haben offenbar ergeben, dass Kundera in der Vergangenheit mit der kommunistischen Geheimpolizei zusammengearbeitet hat.

Der tschechische Schriftsteller Milan Kundera hat sich nach Erkenntnissen des Historikers Adam Hradlinek als Zuträger der kommunistischen Geheimpolizei betätigt. Kundera habe 1950 den desertierten Piloten Miroslav Dvorácek denunziert, der daraufhin 14 Jahre in einem Straflager verbrachte, schreibt Hradlinek in der Zeitschrift „Respekt“. Kundera, der mit seinem Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ (1985) zu Weltruhm gelangte, wollte laut Redaktion nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Hradlineks Forschungen zufolge teilte Kundera 1950 dem Innenministerium mit, dass Dvorácek abends mit einer Studentin verabredet sei. Der Pilot, der 1948 aus dem tschechischen Militärdienst desertiert war und sich illegal nach Deutschland abgesetzt hatte, wurde daraufhin festgenommen und zur Zwangsarbeit in eine Uranmine eingewiesen. Erst 1963, als Kundera bereits erste Bücher veröffentlichte, kam er frei. Dvorácek lebt heute in Schweden.

Kundera war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Kommunist, wechselte aber in den sechziger Jahren ins Lager der Reformer. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 wurden ihm öffentliche Auftritte untersagt. 1975 wanderte er nach Frankreich aus. AFP

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