Depeche Mode : "Das haben wir uns verdient"

Nach 26 Jahren veröffentlichen Depeche Mode ihr erstes "Best of"-Album. Ein Interview mit dem Keyboarder Andrew Fletcher.

Es gibt bereits einige Depeche-Mode-Compilations. Was ist der Unterschied zum "Best of"-Album?



Es ist keine Veröffentlichung für den großen Fan. Der hat die Lieder sowieso. Die Platte richtet sich mehr an den Durchschnittsmenschen von der Straße, der nur wenige Depeche-Mode-Platten oder auch gar keine hat. Und der lieber nur eine als mehrere CDs kaufen will.

Sie suchen also trotz großer Erfolge noch neue Anhänger?

Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Fans und nach möglichst vielen Menschen, die unsere Musik hören. Und eine Band, die es seit mehr als 25 Jahren gibt, hat es einfach verdient, ein "Best of"-Album zu haben.

Warum hatten Sie das Gefühl, jetzt sei die Zeit für eine solche Platte gekommen?

Wir hatten das eigentlich schon lange vor. Aber wir wollten erst unsere Tour beenden. Und bevor wir nächstes Jahr ein neues Studioalbum veröffentlichen, war jetzt die perfekte Zeit für eine "Best of"-Platte.

Wie haben Sie die Songs ausgewählt, nur mit Blick auf frühere Chartpositionen?

Wir haben viel diskutiert, es war schwer. Jeder große Depeche-Mode-Fan hat wahrscheinlich eine komplett andere Liste mit Lieblingssongs. Aber wir haben übrigens auch einen neuen und sehr eingängigen Song auf der Platte: "Martyr".

Warum wurde ein einzelner neuer Song ergänzt?

Wir hatten das Lied zurückgehalten, als wir unser letztes Album "Playing the Angel" machten. Wir dachten uns schon damals, dass es eine gute Single abgeben würde. Und ein neuer Song ist gut zur Promotion. Sind wir nicht clever?

Welches Lied ist Ihr liebstes, was wollten Sie unbedingt auf dem Album haben?

Ich verbinde mit jedem Song viele Erinnerungen, zum Beispiel wie wir ihn aufgenommen haben, und ob wir dabei gute oder schlechte Zeiten hatten.

Es gab ja auch schon Trennungsgerüchte um Depeche Mode. Die Platte ist aber nicht als eine Art Abschied gemeint, oder?

Es könnte sein. Aber es ist nicht geplant. Man weiß nie, was in der Zukunft passiert. Wir haben gerade eine erfolgreiche Tour gespielt und wollen ein neues Album veröffentlichen. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren, als wir "Playing the Angel" aufnahmen, war die Stimmung in der Band so gut wie nie.

Haben Sie denn schon mal ans Aufhören gedacht?

Als wir angefangen haben, dachten wir, es würde uns nur ein paar Jahre geben. Die meisten Bands gibt es nur für zwei oder drei Jahre.

Wollen Sie mit den Rolling Stones konkurrieren?

Noch liegen wir vom Alter rund 20 Jahre zurück. Ich glaube, ich will mit 60 oder 65 Jahren nicht mehr auf Tour sein. Aber das Musikgeschäft ist manchmal etwas komisch.

Haben Sie in den rund 25 Jahren Bandgeschichte mal gedacht, dass Sie Ihre Bandkollegen nicht mehr sehen können?

Ja, davon gab es viele Momente. Vor allem während der Drogenjahre war die Atmosphäre in der Band schlecht. Aber wir sind auch eine unheimlich starke Band. Wir kommen aus der gleichen Stadt, haben den gleichen Hintergrund, den gleichen Humor. Das ist einer der Gründe, warum wir es geschafft haben, die schlechten Zeiten zu überstehen. Und im Moment tut es sehr gut, bei Depeche Mode zu sein. (Interview: Nadine Emmerich, ddp)

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