Kultur : Der Adel in meinem Bett

Panorama (1): Wiktor Grodeckis politische Farce „Nienasycenie“

Frank Noack

Es wäre übertrieben, bei Regisseur Wiktor Grodecki von Genie und Wahnsinn zu reden, dazu ist der 43-jährige Exil-Pole nicht genial genug. Aber auf durchgeknallte Einfälle kann man sich bei ihm verlassen. Vor zehn Jahren setzte er Hugh Grant, Malcolm McDowell und Kristina Söderbaum in einen „Nachtzug nach Venedig“, der von Neonazis gestürmt wird.

Für sein neuestes Sex- und Politik-Spektakel musste ihm die litauische Filmindustrie Asyl gewähren, weil in Polen niemand das Projekt unterstützen wollte. „Nienasycenie“ („Unersättlichkeit“) erzählt einen Bildungsroman, der sich überwiegend in den Betten des polnischen Adels abspielt. Eine Neuentdeckung, Michal Lewandowski, trägt den Film als schöngeistiger Soldat, der selbst in Momenten schlimmster Verrohung nicht seinen naiven Charme verliert. Um ihn herum bewegen sich keifende Karikaturen. Grodecki bedient das Klischee vom wilden Slawen. Einmal wird ein Möchtegern-Diktator mitten im Koitus enthauptet und seine Frau küsst den losen Kopf mit einer Intensität ab, die Salome beschämt hätte. Ganz nebenbei vernimmt man die Warnung vor totalitären Regimes. Sie verpufft aber aufgrund der operettenhaften Inszenierung.

Heute 18.45 Uhr (Zoo Palast), morgen 22.30Uhr (Cinemaxx 7)

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