Kultur : Der Alarmrufer

Rdh.

Der scheidende Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, Antonius Jammers, hat auf das "Desaster" aufmerksam gemacht, das den Universitätsbliotheken in den neuen Ländern drohe. "Diesen Alarmruf bin ich meiner beruflichen Vergangenheit schuldig", sagte Jammers bei seiner Verabschiedung am Dienstag. Die Absenkung der Erwerbungsetats um bis zu siebzig Prozent bringe diese Bibliotheken, die nach der Wende wiederaufgebaut wurden und vielfach neue Gebäude beziehen konnten, in eine "katastrophale" Situation. Das sei einmalig in der deutschen Universitäts- und Bibliotheksgeschichte der letzten 5o Jahre. Beim Festakt im voll besetzten Otto-Braun-Saal des Scharoun-Baus der Staatsbibliothek würdigten zahlreiche Redner Jammers siebenjährige Amtsführung - so Ministerialdirektor Knut Nevermann, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, und der Verleger Klaus G. Saur. Zugleich begrüßten sie seinen Nachfolger Graham Jeffcoate, der erste Ausländer in der neueren Geschichte der Bibliothek. Nevermann, der für den verhinderten Kulturstaatminister Nida-Rümelin sprach, sicherte dabei dem in einer Grundsanierung befindlichen Altbau der Staatsbibliothek trotz finanzieller Probleme "eine hervorragende bauliche Perspektive für die Zukunft" zu. Lehmann sprach in seiner Rede die Debatte um die Zukunft des Kulturföderalismus an. Indem er an die Aufbauarbeit erinnerte, die Jammers Anfang der siebziger Jahre in Nordrhein-Westfalen geleistet habe, gemahnte er an den "kooperativen Föderalismus", dem sich diese "Sternstunde" verdankte. Dagegen stünden heute die Zeichen eher auf Entflechtung. Mit wehmütigem Unterton konstatierte er, dass auch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die er "ein Paradebeispiel der funktionierenden Zusammenarbeit des Bundes und aller 16 Länder" nannte, diese Debatte nicht erspart bleibe.

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