Kultur : Der Arm des Gesetzes

ROCK-REVUE

Kai Müller

Das Böse hat kein Gesicht, aber einen Namen: Central Scrutinizer. Der trägt einen schwarzen Anzug und einen breitkrempigen Hut und hat einen Megafontrichter dort, wo Menschen für gewöhnlich einen Mund haben. Da er böse ist, flüstert er, was wie das letzte Röcheln eines greisen Patriarchen klingt, dem der Kehlkopf entfernt wurde. In Frank Zappas Rock-Musical „Joe’s Garage“ verkörpert der Central Scrutinizer das Gesetz, und es ist eine besondere Perfidie des vor zehn Jahren verstorbenen Komponisten, dass er die Geschichte von Joe, der in die Fänge der Rockmusik gerät, aus Sicht jenes Finsterlings erzählt, der wenig Mitleid hat mit den Exzessen der Jugendkultur. So endet Joes Traum von einer Musiker-Karriere wie ein Albtraum: desillusioniert wird der junge Mann zum Dohnut-Bäcker.

Dass das bitter-zynische Werk von 1979 nie zur szenischen Aufführung gelangte, obwohl es auf ein Filmskript zurückgeht, hat Ludwig Adam nicht abgehalten, es endlich einmal selbst zu versuchen. Dabei spielt der umtriebige Wiener im Berliner BKA-Luftschloss das Böse gleich selbst (wieder: 12. und13.11., 20 Uhr). Mit der Bühnenpräsenz eines Volksschullehrers stöhnt und rasselt er sich durch den Text, während die exzellente sechsköpfige Band Zappas komplexen Nummernreigen mit atemberaubender Präzision rekonstruiert. Großartig sind auch die Akteure: Michael Schubert als geschundener Joe, der irgendwann nur noch imaginäre Noten hört, Anzo Morawitz als L. Ron Hoover sowie Gisi Weller als katholisches Mädchen, das zum Anhängsel einer rüden Rocker- Crew wird. Sie haben es nicht verdient, dass ihr Maestro sich vor lauter Zappa-Bekehrung zum Affen macht.

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