Kultur : Der Augenmensch

Rolf Heyne, Chef des größten deutschen Inhaberverlages, wird 70Das Bücherverlegen haben bis vor kurzem vor allem Familienunternehmen betrieben.Heute jedoch gibt es unter den bedeutenden Verlagen nur noch wenige, in denen der Eigentümer nicht nur den Namen des Hauses trägt, sondern auch die verlegerische und unternehmerische Linie bestimmt.Eine solche Ausnahme ist der mit 173 Millionen DM Umsatz größte deutsche Inhaberverlag Wilhelm Heyne.Eigentümer Rolf Heyne, der heute seinen 70.feiert, prägt nach wie vor, unterstützt von Gattin Anja, das Erscheinungsbild dieses Verlagsriesen.Eine Übergabe des Erbes an ein Familienmitglied gilt jedoch als unwahrscheinlich.Der in Berlin geborene Heyne trat Anfang der 50er Jahre in das Unternehmen Vater Wilhelms ein.Der 1934 in Dresden gegründete Verlag war 1948 nach München umgesiedelt, nachdem die klassizistische Dresdner Villa, der Verlagssitz, von Bomben zerstört worden war.Schon vor 40 Jahren gelang Rolf Heyne seine folgenreichste Verleger-Tat: Nachdem er in den USA beobachtet hatte, wie selbstverständlich Taschenbücher in Supermärkten eingekauft wurden, überzeugte er seinen Vater, das populäre Taschenbuch als knallig aufgemachte Massenware einzuführen.Obwohl Heyne ab Mitte der 80er auch für den Ausbau des Hardcoverprogramms sorgte, bildet die Taschenbuchproduktion bis heute das Standbein des Verlags.Rolf Heyne tritt öffentlich eher schüchtern auf.In der Chef-Rolle jedoch gilt er als temperamentvoll, für Mitarbeiter schwer berechenbar.Er ist kein Verleger aus literarischer Obsession, ihn kennzeichnet ein Instinkt für das richtige Buch zur rechten Zeit.Sein barocker Lebensstil drückt sich in der "Collection Rolf Heyne" aus, einer opulenten Bildband-Reihe, die dem Gourmet, Weinkenner, Pfeifenraucher und Augenmenschen am Herzen liegt. rat

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