Kultur : Der Ball ist bunt

Trikot statt Sari: die Kinokomödie „Kick it Like Beckham“

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Goa-Touristen, World-Music-Fans und Modeschöpfer wissen es schon lange. Der Rest der westlichen Welt weiß es spätenstens seit Mira Nairs „Monsoon Wedding“: Indien ist hip. Wenn neben bunten Saris Fußballtrikots auf Londoner Wäscheleinen flattern, eine traditionell gekleidete Inderin ein Handy hervorzieht und ein Turbanträger auf die Leiter steigt, um eine indische Blumenkette an einem britischen Vorgartenbaum anzubringen, ist das Kinopublikum gewonnen – auch für Gurinder Chadhas „Kick It Like Beckham“.

Die 18-jährige Jess, Tochter einer indischen Einwandererfamilie (Parminder Nagra), will nichts als Fußball spielen. Jules (Keira Knightley) entdeckt sie beim Kicken im Park und lädt sie zum Vereinsfußball ein. Jess ist glücklich, aber ihre Familie will nicht, dass sie „halbnackt herumläuft“, statt sich an den Hochzeitsvorbereitungen ihrer Schwester zu beteiligen und selbst einen Heiratskandidaten ins Auge zu fassen.

Jess jedoch, begeistert vom Training und dem Trainer Joe, freundet sich mit Jules an, die unter ihrer betulichen Mutter leidet. Auf Umwegen nähern sich die beiden ihrem Ziel, Fußball zu spielen: in den USA, dem Land des Frauenfußballs.

„Kick It Like Beckham“ ist eine sanfte Emanzipationskomödie, deren Regisseurin nicht kritisieren, sondern in der – gelegentlichen – Überzeichnung beispielsweise die Rolle der Mütter verdeutlicht. Frau Bhamra ist eine Mittelschicht-Matrone, die für ihre Tochter nur das Beste will. Und Frau Paxton das liberale britische Pendant in Rosa-Lila-Tönen, die sich weigert, in Würde älter zu werden. Wie sich die Kulturen gleichen: Beider Verteufelung des Fußballs rührt daher, dass sie in der Sportbegeisterung ihrer Töchter eine Verweigerung der Weiblichkeit zu entdecken glauben.

Die Stärke des Films liegt allemal in der Inszenierung der Fußballszenen: Die rasante Montage und die Geschwindigkeit der Story entsprechen dem Teamgeist und der Vitalität der Sportlerinnen. Im Bemühen, nicht nur das Zusammenleben der Kulturen möglichst dekorativ auf die Leinwand zu bringen, sondern auch noch Homosexualität in sämtlichen Culture-Clash-Varianten anzureißen, hat sich Gurinder Chadha ziemlich viel vorgenommen. Das Ergebnis: schön bunt. Daniela Sannwald

In Berlin in 19 Kinos, Originalversion im

CineStar Sony-Center.

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