Kultur : Der Bauch von Papa

Isabella Rossellini stellte ihr Buch über den Vater vor

Andreas Conrad

Waschbrettbauch? Nein, für Isabella Rossellini ist das nichts. Ihr erster Traummann war Vater Roberto, der hatte einen Bauch wie ein Buddha, und am liebsten lag er im Bett. Als sie klein war, sind sie und ihre Geschwister oft zu ihm reingekrabbelt, haben sich an ihn gekuschelt. „Er legte sich auf die Seite, spielte die Muttersau, und wir waren die Ferkel.“ Dann fühlte sie sich ihm ganz nahe, beschützt.

Seltsame Vorstellung, wenn man sie so sieht, wie sie im dunkelblauen Hosenanzug aus der Tiefe emporsteigt, eine kleine Inszenierung, die der imposante Dachraum der Galerie c/o in der Linienstraße nahe legt. Dort wurde gestern das Buch „Im Namen des Vaters, der Tochter und der heiligen Geister“ präsentiert – ihr sehr persönliches Geschenk an Roberto Rossellini, der am 8. Mai 100 Jahre alt würde.

Ein religiös anmutender Titel, der dem Vater fast etwas Gottähnliches gibt, wie die Tochter halb im Scherz zugesteht, sie sei ja auch noch sehr jung gewesen, als Roberto 1977 starb. Und es sei zugleich Hinweis auf die katholische Kultur, der Rossellini entstamme, die ihn und seine Filme geprägt habe, auch wenn er nicht sehr religiös und kein Kirchgänger gewesen sei.

Ursprünglich wollte sie nur einen kleinen Film über ihren Vater drehen, der jetzt auch auf der Berlinale im Rahmen der Retrospektive zu sehen war. Das von ihr geschriebene und illustrierte Drehbuch zu „My Dad Is 100 Years Old“ hatte sie dem befreundeten Verleger Lothar Schirmer geschickt, der ihr riet, das Skript zu ergänzen – mit eigenen Erinnerungen, Briefen, einem Text von Fellini, einem Interview, das Truffaut und Rohmer mit Rossellini führten, schließlich Fotos von Capa, Cartier-Bresson oder Seymour.

„Ein sehr leichtes Buch“ sei es geworden, so konnte die Tochter erfreut feststellen, als ihr ein Exemplar gestern auf den Fuß fiel – und auch sein Inhalt sollte nicht bedeutungsschwer sein, anders als die von Filmkritikern und -historikern verfassten Biografien. Sie wollte ein Buch, das sich dem Vater auf populäre Weise näherte, dem Bild des auf dramatische Geschichten festgelegten Regisseurs das des humorvollen Familienmenschen gegenüberstellte. Auch will sie dafür werben, das Werk ihres Vater und auch das anderer Regisseure zu pflegen, die wichtig sind für die Geschichte des Films, aber nie große Kassenerfolge hatten, deren Film sogar materiell zu verschwinden drohen.

Auch der erste Briefwechsel zwischen ihrer Mutter und Rossellini findet sich in dem Buch. Sie würde gerne in einem Film von ihm mitspielen, hatte Ingrid Bergman 1948 telegrafiert. In der Antwort hatte er, angeregt durch den Besuch in einem Flüchtlingscamp, den Entwurf einer Geschichte skizziert, Keimzelle zu „Stromboli“, ihrem ersten Film. Während der Dreharbeiten verliebten sie sich ineinander, in Amerika ein Riesenskandal, da Ingrid Bergman dort verheiratet und Mutter war. Drei Kinder und sechs Filme sind dieser Liebe zu verdanken, dann scheiterte die Ehe.

Isabella Rossellini: Im Namen des Vaters, der Tochter und der heiligen Geister. Erinnerungen an Roberto Rossellini. Schirmer Graf Verlag, München. 144 Seiten, 148 Abbildungen 24,80 Euro

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