Kultur : Der Beitrag von Stanley Kwan

Jan Schulz-Ojala

Das wird nicht einfach gewesen sein für den Dolmetscher der chinesischen Juryvorsitzenden Gong Li. Denn in Stanley Kwans "Inselgeschichten", einem Film, in dem sich Chinesen und Japaner stets auf Englisch verständigen - und es gibt viele Chinesen und Japaner in diesem Film -, spricht eine der Darstellerinnen ein absolut und einer der Darsteller ein relativ unverständliches Englisch. Überhaupt sprechen alle ziemlich viel in diesem Film. Das ist auch nicht einfach gewesen für das Publikum. Wir wollen ja nicht (wie es eine Berliner Morgenzeitung zu Berlinale-Zeiten gern anmahnt) stets deutsche Untertitel zumindest bei den Wettbewerbsfilmen einklagen, schließlich ist Englisch mittlerweile die Global-Village-Stammessprache. Aber wenn nicht einmal die Schauspieler Englisch können...?

Andererseits, so wichtig war das mit dem Text dann vielleicht auch wieder nicht. Denn das, was die Protagonisten - eine sonst in Amerika lebende chinesische Geschäftsfrau, ein japanischer Autor, eine chinesische Fotografin in reiferen Jahren und ein chinesisches Girlie - einander zu sagen haben, ist nicht eben viel. Nicht nur, weil sie nur Zufallsgäste auf einer Insel sind, über die die Regierung wegen eines rätselhaften "Stein-Virus" eine Quarantäne verhängt hat. Sondern weil sie, mit Verlaub, auch sonst nicht viel zu sagen haben.

Ein Paradies ist das Eiland nicht, aber auch nicht die Hölle. Eher ein Industriegebiet mit Strand, auf dem ein paar Leute "Geschlossene Gesellschaft" spielen. In zeitgemäßer Ästhetik, versteht sich, ein bisschen Clip, ein bisschen Hand- und ein bisschen Digitalkamera, ein bisschen Techno, und im Netz ist man irgendwann auch. Doch im Wege dieses postpostmodernen Postexistenzialismus erfahren wir nicht mehr, als dass Filmstars sich oft langweilen, dass zwangsneurotische Hyperpräzision im Chaos nichts bringt, dass Schreibkrisen durch überlange Off-Kommentare auch nicht eben überzeugender werden - und dass es selten Sinn hat, den One-Night-Stand von vorvorgestern herbeizuträumen.

Und doch, manches in diesem Film ist schön gesehen. Die Hubschrauber und Polizeischiffe zum Beispiel, die tags und nachts lärmend die Insel umzingeln. Ein Licht, das in die Innenräume dringt wie überquellende Milch oder ein Virus. Alles, was nicht Text ist eben.Heute 21 Uhr (Royal), morgen 20 Uhr (International)

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