Kultur : Der Berg lehrt

ARCHITEKTUR

Ulf Meyer

Bei jedem neuen Projekt von einem einzigen Baumaterial auszugehen und es architektonisch so durchzudeklinieren, dass einheitliche, konsistente Gebäude entstehen, ist das Markenzeichen des österreichischen Architekturbüros Baumschlager-Eberle. Von Sichtbeton über Holzverschalungen, von korrodiertem Stahlblech oder geschupptem Glas bis zu Holzschindeln und Klinkern können Carlo Baumschlager und Dietmar Eberle fast jedem Material neue Qualitäten abgewinnen.

In Kombination mit außergewöhnlich geformten Tragwerken und strengen, aber gewagt geschnittenen Fassaden hat ihre Haltung sie zu einem der interessantesten Architekturbüros unserer Zeit werden lassen. Die Tragstruktur des Hafengebäudes in Fussach am Bodensee etwa ist so exaltiert, dass „die Anwohner sich jeden Morgen vergewissern, dass es nicht zusammengefallen ist“, so die Architekten. Wie ein Vogel auf einem Bein steht das elegante Haus mit seiner riesigen Auskragung auf einer minimalen Grundfläche.

Die Ausstellung in der Berliner Galerie Aedes East (Hackesche Höfe, Rosenthaler Str. 40/41, bis 23. Februar. Öffnungszeiten: Di – Fr 11–18.30 Uhr, Sa/So 13-17 Uhr. Katalog 10 Euro) stellt Bauten und Projekte des Büros aus den Jahren 1996 bis heute an Hand von Plänen, Fotos und edlen Holzmodellen vor. An Stelle von Erläuterungstexten zeigen die Architekten bei jedem Projekt ein knappes Balkendiagramm, aus dem die Energiesparsamkeit ihrer Entwürfe ersichtlich ist. Baumschlager-Eberle haben zunächst hauptsächlich Wohnhäuser am Alpenrand und in ihrer vorarlbergischen Heimat entworfen, sind mittlerweile aber zu einem internationalen Büro herangewachsen, das Projekte in vielen Ländern entwirft. In München, ebenso wie in Peking, Amsterdam oder Zürich.

Die konzeptionelle Architektursprache vom Büro Baumschlager-Eberle prägt ihren Entwurf für eine ungewöhnlich geformte Sichtbetonvilla in den Berghängen von Liechtenstein ebenso wie ihr geplantes Großkrankenhaus in Belgien. Hoffentlich lassen sich die räumlichen und baulichen Qualitäten der Projekte auch in den größeren Maßstab übertragen.

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