Kultur : Der beste Beifahrer der Welt

Carlos Sorins Komödie „Bombón – El Perro“

Hans-Jörg Rother

Juan Villegas hat ein wunderbares Gesicht. Ob er nun lächelt oder traurig ist, immer scheinen seine Augen warm zu leuchten. Ein Lebenskünstler? Einer, der seine Fragen nicht laut stellt.

Im eigenen Leben hat es Villegas bis zum Garagenbesitzer gebracht. In Carlos Sorins „Bombón“, seinem vierten Film, steht er erstmals vor der Kamera. Schon in „Historias minimas“ arbeitete Sorin nur mit Laien, weil er „das Gestische“ dem geschulten Ausdruck vorzieht. Villegas verkörpert einen arbeitslosen Mechaniker, den mit über 50 keiner mehr einstellen will. Der Zufall beschert ihm ein Prachtexemplar von Dogge – Hundenarren reden ihm sogleich zu, das Tier ausbilden zu lassen. Und schon gewinnt Bombón (was mit „Praline“ zu übersetzen ist) auf einer Hundeschau den dritten Preis. Leider ist seine Libido geschädigt; also kann man mit dem Rüden kein Geld verdienen. Fürs Erste – denn eine Komödie braucht ein Happyend.

Der einzige geschulte Mitwirkende dieses Films aus Argentinien, der wieder an die Kraft des Neorealismus im Kino glauben lässt, ist offenbar der Hund. Wie er auf dem Beifahrersitz thront und mit seinem neuen Herren bedeutungsvolle Blicke tauscht, verdient höchstes Lob, vor allem für den selbst als Hundenarren bekannten Regisseur. Zugleich ist die Dogge so etwas wie der Widerhaken, an dem die Sentimentalität der Geschichte hängen bleibt. Wer würde schon ein Tier mit einem solch widerwärtigen Gebiss lieb gewinnen – wenn nicht Juan, der auch in forschen Polizisten noch gute Menschen sieht?

Schade, dass die Musik jedes Gefühl breit ausmalt, als traue die Regie dem großartigen Kameramann Hugo Colace nicht genug zu. Seine Kompositionen, die die flache Landschaft Patagoniens in die Geschichte einbeziehen, bleiben nicht weniger lang im Gedächtnis als das Lächeln von Villegas. Die Figuren stehen förmlich dem Nichts gegenüber: Halt findet darin nur, wer noch Hoffnung in sich trägt.

Babylon Mitte, Cinemaxx Potsdamer Platz, Filmkunst 66, fsk (OmU)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben